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Appaloosa: Pferderassen-Portrait

5. April 2022 // Katja Kuballa

Steckbrief Appaloosa
Rasse:
Appaloosa
Lebenserwartung:
25 - 30 Jahre
Gruppe:
Warmblut
Stockmaß:
142 - 165 cm
Ursprung:
USA
Gewicht:
430 - 570 kg
Zucht seit:
1750
Fellfarbe:
(Dark) Bay, Brown, Rappe, Schimmel, Falbe (Buckskin), Fuchs (Chestnut), Dun,
Gray, Grulla, Palomino, Red/Blue/Bay Roan
Hauptzuchtgebiet:
größtenteils USA
Körperbau (Exterieur):
muskulös, edler Kopf, symmetrisches Gebäude, athletisch, große Ganaschenfreiheit,
kurzer Rücken, kräftig
Verbreitung:
weltweit
Charakter (Interieur):
umgänglich, leistungsstark, ruhig, gelassen, nervenstark, verlässlich, mutig,
vielseitig, intelligent
Einsatzgebiet:
Freizeit-/Westernpferd
Besonderheiten:
unvergleichliche Fellzeichnung, vor allem im Bereich der Kruppe

Appaloosa: Charakter und Interieur

Nicht nur in Westernfilmen bekommt man Appaloosa-Pferde häufig zu Gesicht, sondern auch unter den Westernreitern des „alltäglichen Lebens“ ist die Pferderasse sehr beliebt. Das liegt unter anderem an der Nervenstärke und Gelassenheit, wodurch sich der typische Appaloosa und sein Charakter auszeichnet. In dieser Pferderasse sind Ruhe, Sportlichkeit und Intelligenz vereint, was den Appaloosa zu einem idealen Westernpferd macht.

Durch ihr freundliches und ausgeglichenes Wesen sind Appaloosa-Pferde meist sehr brav und lassen sich durch fast nichts aus der Ruhe bringen. Das ist auch der Grund, weshalb wir die Frage „Sind Appaloosa für Anfänger geeignet?“ eindeutig mit ja beantworten können. Außerdem sind Appaloosa sehr menschenbezogen und daher perfekte Familienpferde.

Doch nicht nur mit starken Nerven überzeugt die Pferderasse Appaloosa, sondern auch durch ihre hohe Leistungsbereitschaft und ihre außerordentliche Intelligenz. Tricks erlernen die Vierbeiner sehr schnell, was sie auch zu beliebten Show-Pferden macht.

Schon gewusst?

Appaloosa besitzen den sogenannten „Cow Sense“, welcher sich dadurch kennzeichnet, dass die Pferde in der Lage dazu sind, ihr Handeln selbstständig auf das einer Kuh oder eines Rinds abzustimmen. Dadurch kann das Pferd ein anderes Tier auch nur durch wenig Unterstützung vom Reiter von der restlichen Herde separieren.

Appaloosa: Exterieur

Appaloosa sind meist sehr gut bemuskelte Warmblüter, haben einen eher kurzen Rücken und einen kleinen Kopf. Ihr Gebäude zeigt sich symmetrisch, die Kruppe ist eher abfallend und kräftig. Durch ihre geringe Größe (142-165 cm) sind sie wendig und schnell, was ihnen beim Einsatz als Westernpferd zugutekommt.

Pferde dieser Rasse haben eine ganz besondere Optik, was nicht zuletzt an der außergewöhnlichen Appaloosa-Farbe liegt. Charakteristisch für die Vierbeiner ist abgesehen davon das sogenannte „Menschenauge“, was dazu führt, dass ein weißer Ring rund um die Pupille erkennbar ist. Dieser entsteht lediglich durch die weiße Lederhaut, welche sich bei Pferden mit auffälliger Fellzeichnung deutlicher hervorhebt.

Darüber hinaus haben Appaloosa eine gesprenkelte bzw. marmorierte Haut, was im Fachjargon auch als „mottled skin“ beschrieben wird. Das besondere Fellmuster, welches daraus entsteht, ist einzigartig und nur unter den Appaloosa-Pferden zu finden. Zudem haben die „Indianer-Pferde“ meist gestreifte Hufe, die ebenfalls aus der gefleckten Haut resultieren.

Lebenserwartung der Pferderasse Appaloosa

Appaloosa leiden aufgrund verschiedener Einkreuzungen in die Pferderasse häufig an unterschiedlichen Krankheiten. Vor allem die Muskelerkrankungen Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) oder die Hyperkaliämische Periodische Paralyse sind bei dieser Pferderasse oft zu finden. Schränkt diese Tatsache die Lebensdauer ein? Wie alt werden Appaloosa-Pferde? Ein Appaloosa hat eine Lebenserwartung von 25-30 Jahren. Sofern das Pferd auf die unterschiedlichen Erkrankungen getestet und beim Vorliegen einer Diagnose entsprechend versorgt wird, kann ein Appaloosa diese Lebenserwartung auch erreichen.

Appaloosa schwarz weiß

Appaloosa: Farbe

Vor allem für seine einzigartige Fellzeichnung ist die Pferderasse bekannt. Zwar besitzt jeder Appaloosa – wie alle anderen Pferde – eine Grundfarbe, jedoch legt sich über das schwarze, weiße, braune oder fuchsfarbene Fell eine weiße „Decke“, die auch „blanket“ genannt wird und sich klar von der restlichen Appaloosa-Farbe abgrenzt. Das sorgt für die typische Färbung im Bereich der Kruppe, was dem Appaloosa auch den Namen „Tigerschecke“ einbringt.

Weitere Muster, die vom Zuchtverband anerkannt werden, sind folgende:

  • Spots (weiße oder schwarze Flecken)
  • Roan (einzelne Stichelhaare zwischen spots oder blanket)
  • Solid (einfarbig, aber gefleckte Haut, ein Menschenauge und/oder gestreifte Hufe)

Die Appaloosa-Farben unterscheiden sich grundsätzlich kaum zu den gängigen Fellfarben. Charakteristisch ist lediglich die besondere Zeichnung. Anerkannt werden bei dieser Pferderasse 14 Grundfellfarben.

  • Bay: helle und rötliche Brauntöne, Mähne, Schweif und Fesseln schwarz (am ehesten mit der Farbe „Brauner“ gleichzusetzen)
  • Black: vollkommen schwarze Pferde (am ehesten mit der Farbe „Rappe“ gleichzusetzen)
  • Blue Roan: schwarze Grundfarbe mit weißen Haaren durchzogen, das Langhaar ist schwarz oder grau
  • Buckskin: goldfarben mit einfarbig schwarzen Fesseln (am ehesten mit der Farbe „Isabell“ gleichzusetzen)
  • Chestnut: alle erdenklichen braunen Töne (am ehesten mit der Farbe „Fuchs“ gleichzusetzen)
  • Dark Bay/Brown: dunkelbraunes oder schwarzbraunes Fell, dunkle Mähne, dunkler Schweif, meist hellere Stellen über den Körper verteilt
  • Dun: goldfarben, häufig mit etwas dunklerem Langhaar, Aalstrich, zusätzlich können an den Beinen Streifen sichtbar sein (am ehesten mit der Farbe „Falbe“ gleichzusetzen)
  • Gray: graue Fellfärbung, die mit steigendem Alter immer heller wird (am ehesten mit der Farbe „Grauschimmel“ gleichzusetzen)
  • Grulla: einheitlich mausfarben mit schwarzem Langhaar und dunklen Fesseln
  • Palomino: glänzende goldene Farbe, helleres Langhaar
  • Red Roan: fuchsige Grund-, Mähnen- und Schweiffarbe mit weißen Stichelhaaren durchzogen
  • White: vollkommen weiße Pferde (am ehesten mit der Farbe „Schimmel“ gleichzusetzen)
  • Bay Roan: braune Grundfarbe mit weißen Stichelhaaren durchzogen, Mähne und Schweif sind dunkler
  • Cremellos: sehr heller goldfarbener Grundton, meist blaue Augen

Herkunft: Die Indianer-Pferde

Appaloosa sind die typischen Indianer-Pferde. Diesen Ruf haben sie nicht nur durch etliche Verfilmungen erlangt, sondern vor allen Dingen durch ihre Herkunft. Ursprünglich stammt die Pferderasse von spanischen Pferden ab, welche im 18. Jahrhundert zum Teil nach Amerika übersiedelt wurden. Jedoch entliefen damals einige Tiere, verwilderten und vermischten sich mit den amerikanischen Wildpferden.

Der Indianerstamm Nez-Percé, der sich im nordwestlichen Teil Amerikas angesiedelt hatte, entdeckte die Pferde und begann alsbald mit der Vermehrung der Tiere. So entwickelte sich erstmals der typische Appaloosa-Tigerschecke. Wissenschaftler und Historiker vertreten die Annahme, dass die Nez-Percé der erste und einzige Stamm war, welcher sich erfolgreich mit der Erreichung ausgewählter Zuchtziele beschäftigte.

Sie legten bei der Zucht der Tiere ihren Fokus auf Schnelligkeit und Intelligenz. Vermutlich erreichten sie dieses Ziel, indem die Indianer die besten Pferde behielten und die langsameren oder „weniger intelligenten“ als Handelsgut nutzten.

Namensursprung der Pferderasse

Ende des 19. Jahrhunderts wurde einer der Nez-Percé-Indianer und seine Pferde von Farmern am Palouse-Fluss im heutigen Idaho gesichtet. Durch den Standort an diesem Gewässer bürgerte sich zuerst der Name „Palousey“ ein, woraus zunächst der Name „Appalousey“ entstand, welcher sich zuletzt zum heute bekannten „Appaloosa“ entwickelte.

Appaloosa Tigerschecke

Einsatzbereich

Appaloosa und Western-Reiten – zwei Dinge, die man gerne miteinander assoziiert. Tatsächlich werden die Tiere gerne im Westernsport eingesetzt, was nicht nur an ihrem bereits beschriebenen „Cow Sense“ liegt. Appaloosa-Pferde sind wendig, intelligent und schnell, zeitgleich auch sehr nervenstark. Für Teildisziplinen wie Pleasure-Prüfungen, Reining oder für den Trail ist die Pferderasse Appaloosa also ideal. Mehr über diese Pferdesportart kannst du in unserem Blogbeitrag zum Westernreiten nachlesen.

Aufgrund seiner Vielseitigkeit und seines ehrlichen Charakters eignet sich der Appaloosa nicht nur für den Western-Bereich, sondern kann auch in anderen Disziplinen glänzen. Die Pferderasse Appaloosa ist auch unter Wanderreitern beliebt und nicht selten entdeckt man einen „Äppi“ sogar auf einem Dressur- oder Springturnier. Schließlich sind die Pferde dafür bekannt, sich – im Gegensatz zu vielen anderen typischen Turnierpferderassen – durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.

Berühmte Appaloosa-Hengste

John Wayne: Wer kennt ihn nicht?! Wusstest du, dass er im Film „El Dorado“ einen waschechten Appaloosa namens „Cochise“ reitet? Auch Matt Damon reitet im Film „True Grit“, der 2010 veröffentlicht wurde, einen Appaloosa. Doch nicht nur in berühmten Filmen, sondern auch in der Zuchtgeschichte ist der ein oder andere Appaloosa-Hengst zu finden, der sich einen Namen gemacht hat.

So zum Beispiel Joker B, ein Appaloosa-Hengst, der die Zucht der Pferderasse besonders zwischen 1940 und 1960 maßgeblich beeinflusst hat. Seine Nachkommen zeichneten sich vor allem durch ihre Leichtrittigkeit aus. Zuletzt wurde der Hengst mit seinem Besitzer Carl Miles 1988 sogar in die „Appaloosa Hall of Fame“ gewählt.

Auch der Appaloosa-Hengst Prince Plaudit, der ebenfalls im Besitz von Carl Miles war, brachte herausragende Nachkommen (mehr als 40) hervor, die in sämtlichen Teildisziplinen des Westernsports hocherfolgreich waren. Auch er wurde 1988 nach seinem einschlägigen Erfolg als Sport- und Zuchthengst in die Appaloosa Hall of Fame gewählt.

Doch das sind nicht die einzigen berühmten Appaloosa-Hengste. Neben ihnen existieren weitere, die bis heute in vielen Pedigrees zu finden sind. Unter ihnen Apache Applesauce, Dreamfinder, Joker Reed Charge, Mighty Bright, The Totem und Wapiti.

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    Die Autoren

    Ich bin Katja und seit meinem fünften Lebensjahr Pferdemädchen mit Leib und Seele. Durch meine Tätigkeit als Bloggerin bei Fundis Reitsport kann ich meine Leidenschaft mit dem Beruf verbinden und freue mich darauf, euch über Themen aus den unterschiedlichen Bereichen der Pferdewelt zu berichten.
    Lasst mich gerne jederzeit über die Kommentarfunktion wissen, wenn ihr spezielle Wünsche oder Themenvorschläge habt. 🙂

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