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Trageerschöpfung beim Pferd erkennen und behandeln

4. Oktober 2022 // Larissa Zimmer

Damit dein Pferd dich tragen kann, ohne dass es ihm Schmerzen bereitet, benötigt es die entsprechende Muskulatur und muss auch psychisch dazu in der Lage sein. Ist die Bauchmuskulatur deines Vierbeiners nicht stark genug, kann er seinen Rumpf nicht mehr halten und man spricht von der sogenannten Trageerschöpfung. Diese ist häufig mit Schmerzen verbunden und das Pferd ist in der Bewegung deutlich eingeschränkt. Wir erklären dir in diesem Beitrag, an welchen Symptomen du bei deinem Pferd Trageerschöpfung erkennst, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und was du dagegen tun kannst. Zudem haben wir ein paar Übungen, die bei Trageerschöpfung helfen können.

Was ist Trageerschöpfung?

Unter dem Begriff Trageerschöpfung – auch Trageermüdung oder Tragkrafterschöpfung genannt – versteht man eine körperliche Dysbalance beim Pferd, welche durch das jahrelange Tragen des Reitergewichts entsteht. Das bedeutet, dass das Tier kapituliert, sobald der Reiter den Rücken belastet, und die Rückenoberlinie senkt sich ab. Es entsteht somit ein sogenannter Senkrücken. Da das Pferd das Gewicht auf seinem Rücken nicht mehr tragen kann, spannt es die Muskulatur im Bauch, Rücken und Nacken sowie in der Schulter und Kruppe an.

Wichtig zu wissen ist, dass es nicht darauf ankommt, die Muskeln am Pferderücken zu trainieren, sondern die unteren Muskelketten. Nur durch eine gesunde Bauchmuskulatur bleibt auch der Rücken gesund. Wird die Bauch- und Brustmuskulatur während des Reitens nur unzureichend trainiert, verspannen sich die Muskeln im Rücken, damit die Wirbelsäule geschützt ist.

Bei Trageerschöpfung handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern mehr um ein Symptom, welches verschiedene Erkrankungen wie Arthrose, Spat, Kissing Spines oder Sehnen- und Fesselträgerschäden auslösen kann. Auch Muskelschwund, Rittigkeitsprobleme, Verspannungen oder Taktlosigkeit können eine Folge davon sein, da sich das Pferd nicht mehr richtig biegen kann und es häufig zu Blockaden in der Wirbelsäule kommt.

Wie erkennt man eine Trageerschöpfung?

Eine Trageerschöpfung beim Pferd kannst du sowohl anhand unterschiedlicher körperlicher Anzeichen als auch beim Reiten erkennen. Achte also auf folgende Merkmale:

Körperliche Symptome

  • Stark ausgeprägter Unterhals
  • Hervorstehendes Brustbein zwischen den Vorderbeinen
  • Rumpf hängt zwischen Schulterblättern
  • Nach unten sackender Brustkorb
  • Verspannte Schulter- und Brustmuskulatur
  • Löcher neben dem Widerrist
  • Durchhängender Rücken
  • Lendenwirbelsäule wölbt sich auf (Karpfenrücken)
  • Verkürzte & feste Bauchmuskeln
  • Weiche Fesselung
  • Lautes Auffußen

Anzeichen beim Reiten

  • Flacher Bewegungsablauf
  • Schlechte Biegung
  • Leistungseinbußen
  • Mangelnde Rittigkeit
  • Nachlassende Freude am Laufen
  • Verweigerung/Blockaden
  • Pferd stützt sich auf die Zügel

Ursachen für Trageerschöpfung beim Pferd

Die Ursachenforschung ist oft sehr komplex, da viele Faktoren zu Trageerschöpfung führen können. Dennoch solltest du der Ursache auf den Grund gehen, denn je früher diese behoben wird, desto schneller verbessert sich der Gesundheitszustand deines Pferdes und du kannst wieder in den Sattel steigen.

Eine weitere Ursache kann die falsche Ausbildung sein – sowohl die des Reiters als auch die des Pferdes. Wird die Skala der Ausbildung nicht richtig beachtet und das Pferd beispielsweise schon versammelt, obwohl es noch nicht einmal losgelassen und richtig im Takt läuft, kann es nach einiger Zeit zu Trageerschöpfung kommen. Diese Problematik besteht meistens, wenn Laien die Ausbildung von Jungpferden übernehmen.

Des Weiteren können folgende Faktoren Trageerschöpfung hervorrufen:

  • Schlecht sitzendes Zubehör, insbesondere Sattel und Trense
  • Zu wenig Bewegung
  • Nicht artgerechte Haltungsbedingungen
  • Zu lange Reiteinheiten
  • Falsches Training
  • Nicht ausbalancierter Sitz
  • Zahn- und Hufprobleme
  • Falsche Fütterung
Pferd schaut aus seinem Boxenfenster

Du solltest nicht denken, dass zwingend viel Kraft dazugehört, damit es zur Trageerschöpfung kommt. Selbst wenn ein Pferd schonend und ohne Druck (an-)geritten wird, kann es passieren, dass das Tier der Belastung aufgrund eines falschen bzw. entlastenden Reitstils nicht standhalten kann. Deshalb ist es wichtig, dass du den Sinn des Leichttrabens und der Dehnungshaltung verstehst und auch im Aussitzen die Muskulatur und Hinterhand deines Pferdes richtig trainierst.

Trageerschöpfung beim Pferd: Was tun?

Im ersten Moment ist es vielleicht ein Schock, wenn du die Gewissheit hast, dass dein Pferd unter Trageerschöpfung leidet. Du musst jedoch nicht in Panik geraten, denn die Erkrankung lässt sich behandeln. Womit du allerdings rechnen solltest: Eine Behandlung dauert oft sehr lange und du wirst mit hoher Wahrscheinlich deinen Vierbeiner danach nicht wieder so reiten können, wie du es gewohnt warst. Liegt eine Trageerschöpfung bei deinem Pferd vor, solltest du auf das Training im Sattel unbedingt verzichten.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Trageerschöpfung ist, kann es sechs bis zwölf Monate dauern, bis das betroffene Pferd wieder richtig aufgebaut ist. Wurde die Trageermüdung früh erkannt, geht es dem Pferd vielleicht sogar schon nach wenigen Wochen Bodenarbeitsübungen wieder gut. Ziel sollte es immer sein, dass sich das Pferd wieder selbst tragen kann, ohne das Gewicht des Reiters.

Um die verspannten Muskeln zu lösen, hast du die Wahl zwischen verschiedenen Therapiemöglichkeiten wie Chiropraktik, Osteopathie, Akupunktur sowie Physio- und Lasertherapie. War die Behandlung erfolgreich, geht es weiter mit dem Ausdauer- und Muskeltraining, bis sich die gesamte Muskulatur positiv entwickelt hat. Erst dann erleidet dein Pferd keine Schmerzen mehr und du kannst es wieder reiten.

Wichtig ist, dass Pferdebesitzer, Trainer, Sattler, Tierarzt und Therapeut gut zusammenarbeiten und das Pferd ausgiebig begutachten. Hilfreich kann auch ein individueller Therapieplan über mehrere Monate sein, denn so lange dauert es meistens, bis sich die Muskulatur des Tieres wieder vollständig regeneriert hat.

Trageerschöpfung beim Pferd: Übungen

Wenn du dein Pferd beim Aufbau richtig unterstützen möchtest, kannst du lösende Übungen vom Boden aus machen. Besonders effektiv ist beispielsweise das Training am Kappzaum oder an der Doppellonge, denn dadurch werden die Bewegungen des Pferdes neu geschult. Beim Longieren kannst du auch Stangen mit einbauen, die dein Vierbeiner im Schritt, Trab und Galopp überwinden muss. Möchtest du spazieren gehen, wird es deinem Pferd guttun, wenn du viel bergauf und bergab mit ihm gehst.

Frau führt Pferd

Achte darauf, dass du immer nur in kleinen Schritten arbeitest und deinen Liebling auch gleich belohnst, sobald er eine Übung gut gemeistert hat. Um eine Erschöpfung zu vermeiden, solltest du die Trainingseinheiten kurz gestalten und viele Pausen dazwischen einbauen. Die Therapeutin, welche die Trageerschöpfung bei deinem Pferd behandelt, kann dir bestimmt auch einen Trainingsplan erstellen.

Trageerschöpfung vorbeugen: Checkliste

  • Sattel regemäßig überprüfen lassen
  • Osteopathie- bzw. Physiotherapie-Behandlungen für dein Pferd
  • Hufschmied in regelmäßigen Abständen konsultieren
  • Punkte der Ausbildungsskala beachten
  • Reitstunden bei kompetentem Trainer
  • Pferd in jeder Trainingseinheit korrekt lösen
  • Nicht zu lange reiten
  • Richtige Stellung und Biegung
  • Seitengänge korrekt durchführen
  • Tragkraft durch Bodenarbeit verstärken
  • Unrittigkeit und Blockaden ernst nehmen
  • Abwechslungsreiches Bewegungsprogramm, um die verschiedenen Muskelgruppen richtig zu trainieren (z. B. Longieren, Doppellonge, Freispringen, Ausreiten, Führanlage oder Laufband)

Fazit

Trageerschöpfung beim Pferd ist keine Seltenheit, sondern kommt häufiger vor, als du vielleicht vermutest. Wenn du auf jedes noch so kleine Anzeichen achtest und einen guten Trainer, Tierarzt und Physiotherapeuten zurate ziehst, kannst du das Symptom behandeln und Schlimmeres vermeiden. Wichtig ist, dass du der Ursache auf den Grund gehst und versuchst, diese zu beheben, damit dich dein Pferd in Zukunft wieder ohne Schmerzen tragen kann.

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    Die Autoren

    Ich bin Bloggerin bei FUNDIS Reitsport und kann hier meinen Traum leben: Das Hobby mit dem Beruf verbinden. Seit über 20 Jahren bin ich begeisterte Reiterin und bringe euch in meinen Blogbeiträgen die Themen aus den unterschiedlichen Sparten des Reitsports näher.
    Fragen und Wünsche dürft ihr gerne in die Kommentare schreiben. :)

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