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Headshaking beim Pferd

Jedes Pferd schüttelt hin und wieder mit dem Kopf, um Insekten oder andere lästige Tiere fernzuhalten. Ist das Kopfschütteln jedoch heftig und unkontrolliert, spricht man vom sogenannten Headshaking. Was genau darunter zu verstehen ist, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und wie du Headshaking beim Pferd erkennst, kannst du in diesem Beitrag nachlesen. Außerdem erfährst du, wie bei einem Headshaking-Pferd die Behandlung aussieht.

Was ist Headshaking beim Pferd?

Der Begriff Headshaking bedeutet übersetzt nichts anderes als Kopfschütteln und ist eigentlich ein normales Verhalten des Pferdes, wenn beispielsweise Fliegen im Gesicht sitzen oder auch bei Dominanzspielen. Schlägt das Pferd jedoch plötzlich heftig und unwillkürlich ohne ersichtlichen Grund mit dem Kopf, handelt es sich um das krankhafte Headshaking. Die Bewegungen können vertikal, horizontal oder rotierend sein.

In erster Linie ist Headshaking beim Pferd ein Symptom vieler Krankheiten. Unterschieden wird zwischen drei verschiedene Formen:

  • Idiopathisches Headshaking: Häufigste Form, die Ursache ist jedoch nicht erkennbar. Die Trigeminusneuralgie (Entzündung des fünften Hirnnervs) zählt mittlerweile auch zu dieser Verlaufsform. Man spricht bei dieser Form auch vom „echten“ Headshaking.
  • Symptomatisches Headshaking: Hierbei handelt es sich um ein Symptom einer Krankheit wie zum Beispiel Zahnprobleme, Schmerzen im Hals- und Kopfbereich oder Infekte in den Ohren.
  • Stereotypes Headshaking: Dies ist eine Verhaltensstörung und tritt eher selten auf. Die Ursachen sind in der Regel Stress oder eine schlechte Haltung.

Headshaking beim Pferd kann von jetzt auf gleich auftreten und es gibt keine Rasse, die mehr oder weniger anfällig dafür ist. Wichtig ist, dass du versuchst, die Ursache herauszufinden und zu behandeln.

Die Schweregrade von Headshaking

Grad 1: Die Symptome treten selten auf, das Pferd kann aber normal geritten werden.
Grad 2: Die Symptome treten häufiger unter gleichen Bedingungen auf, das Pferd kann mit ein paar Einschränkungen geritten werden.
Grad 3: Stärkere und deutliche Symptome, das Pferd ist noch reitbar, aber schwer zu kontrollieren.
Grad 4: Das Pferd lässt sich nicht mehr reiten und ist unkontrollierbar.
Grad 5: Das Pferd entwickelt ungewöhnliche Verhaltensmuster, ist eine Gefahr für sich selbst und den Reiter.

Neben dem Trigeminusnerv können auch Probleme in anderen Bereichen des Kopfes Headshaking verursachen:

  • Augen: Eingeschränkte Sehstärke, Erblindung, Grauer Star, Zysten, Erkrankung des Tränennasenkanals
  • Hals: Entzündung an Gelenken, Sehnen oder der Muskulatur, Erkrankung des zentralen Nervensystems, chronische Gelenkveränderungen, Entzündung der Skelettmuskulatur
  • Ohren: Entzündungen, Milben, Zecken, Wucherungen, Abszesse oder Fremdkörper
  • Maul: Zahnprobleme, Verletzungen am Rachen oder an der Zunge, Geschwür an der Schleimhaut
  • Atemwege: Allergische Reaktionen, Erkrankung der Nasengänge, Ausfluss oder Entzündung der Nasennebenhöhlen, Kehlkopferkrankung
  • Schädel: Schwellungen oder Frakturen
  • Verhalten: Verhaltensstörungen

Nicht nur der Kopf, sondern auch eine falsche Haltung kann zu Headshaking führen. Das Pferd leidet möglicherweise unter Stress und zeigt weitere Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen oder Appetitlosigkeit. In unserem Blogbeitrag „Artgerechte Pferdehaltung“ kannst du nachlesen, worauf es bei der richtigen Haltung ankommt.

Headshaking beim Pferd kann zudem durch Reiterfehler wie beispielsweise eine fehlerhafte Einwirkung, zu enge Kopf-Hals-Haltung (Rollkur) oder ein zu tiefes Abstellen entstehen. Auch eine unpassende Trense oder ein falsches Gebiss sind mögliche Ursachen.

Die Symptome

Ein Pferd mit Headshaking schüttelt oder schlägt in erster Linie ruckartig mit dem Kopf. Es können jedoch noch weitere Begleiterscheinungen auftreten:

  • Nase am Boden oder an anderen Dingen reiben
  • Verzogenes Schmerzgesicht
  • Häufiges Schnauben
  • Spielen mit den Lippen oder der Zunge
  • Schlagen mit den Hufen
  • Zuckende Gesichtsmuskeln
  • Verstärkter Nasenausfluss
Fjordpferd schüttelt den Kopf

Du solltest wissen, dass nicht alle Anzeichen bei jedem Pferd auftreten müssen. Durch Aufregung oder in stressigen Situationen können sich die Symptome verschlimmern und auch das Wetter spielt für die betroffenen Tiere oft eine Rolle. Es kann also sein, dass das Headshaking etwas besser wird, wenn es regnet, dunkel ist oder keine Sonne scheint.

Wie geht der Tierarzt bei der Diagnose vor?

Hast du schon mehrmals beobachtet, dass dein Pferd unwillkürlich mit dem Kopf schlägt, solltest du schnellstmöglich den Tierarzt rufen. Dieser kann durch ein Ausschlussverfahren feststellen, ob der Trigeminusnerv entzündet ist oder ein anderes Problem das Headshaking verursacht.

Wie bei vielen anderen Erkrankungen wird der Tierarzt erst einmal mit einer Allgemeinuntersuchung beginnen. Es sieht sich das Pferd genau an, hört das Herz und die Lunge ab, kontrolliert Fell und Haut, untersucht die Augen, misst die Temperatur und tastet die Beine ab. Wenn du genaue Angaben zu den Symptomen machen kannst und ungefähr weißt, wann diese verstärkt und wann weniger ausgeprägt auftreten, wird das die Untersuchung beschleunigen.

Als nächstes wägt der Tierarzt ab, welche Untersuchungen zielführend sein könnten und welche Risiken damit verbunden wären. Bei einem bestimmten Verdacht können entsprechende Folgeuntersuchungen für Klarheit sorgen:

Verdacht Untersuchung
Erkrankung der AtemwegeEndoskopie: Die inneren Atemwege werden mit einer kleinen Kamera untersucht.
Schädigung des Schädels oder HalsesDer gesamte Schädel wird geröntgt.
Entzündung im KörperBlutbild
AugenerkrankungUntersuchung des Augenhintergrundes und -drucks, der Netzhaut sowie der Krümmung der Hornhaut mit unterschiedlichen Untersuchungsgeräten.
OhrenerkrankungEndoskopie des Gehörgangs (kommt seltener vor)

Liefern die durchgeführten Untersuchungen keine Ursache für das Headshaking, wird der Trigeminusnerv beim Pferd betäubt. Dann kann der Tierarzt sehen, ob das Kopfschütteln aufhört oder nicht. Dieses Verfahren muss jedoch in einer Klinik stattfinden und ist nicht günstig. Eine letzte Möglichkeit ist die somatosensorische Nervenleitgeschwindigkeitsmessung. Hierbei muss das Pferd in Vollnarkose gelegt werden und es wird gemessen, wann der Gesichtsnerv reagiert.

Headshaking beim Pferd: Was tun?

Beim Headshaking gibt es nicht die eine richtige Behandlung, da sowohl die Ursache als auch der Schweregrad bei jedem Pferd unterschiedlich sein kann. Bei einem leichten Verlauf kann es manchmal schon helfen, das Pferd vor den Reizen zu schützen, die für das Kopfschütteln verantwortlich sind. Eine spezielle Headshaking-Maske mit UV-Schutz oder Fliegenhauben sorgen beispielsweise dafür, dass kein Sonnenlicht, Wind oder Insekten den Vierbeiner stören.

Behandlung durch den Tierarzt

Schlägt keine der genannten Maßnahmen an, kannst du auf Behandlungsmethoden zurückgreifen, die von einem Tierarzt durchgeführt bzw. begleitet werden müssen. Ein möglicher Ansatz ist Akupunktur. Hierbei werden bestimmte Punkte mit Nadeln angesprochen und der Trigeminusnerv stimuliert. Der Nachteil ist, dass sich Pferde mit Headshaking meistens nur schwer am Kopf anfassen lassen.

Die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS) wird gerne genutzt, um bei Headshaking Behandlungserfolge zu erzielen, da kaum Nebenwirkungen bekannt sind. Bei dieser Therapie wird der Nerv 25 Minuten lang mit wechselnder Frequenz und Spannung angeregt und stimuliert, damit er weniger sensibel wird. Die Behandlung sollte zu Beginn dreimal in einem Abstand von drei bis vier Tagen durchgeführt werden und danach erst wieder, wenn das Headshaking schlimmer wird.

Bei der Coil-Embolisation wird eine Metallspirale im Bereich des Trigeminusnervs eingesetzt, welcher durch den konstanten Druck geschädigt werden soll. Es handelt sich dabei um einen einmaligen, aber starken Eingriff, der nur dazu genutzt werden sollte, um das Pferd vor dem Einschläfern zu retten.

Teilweise bringt auch eine Injektion von Glycerol in den Nerv positive Ergebnisse. Das Pferd kann dadurch vor dem Einschläfern gerettet werden, das Risiko für eine Ataxie (Bewegungsstörung) ist jedoch sehr hoch.

Spezielle Medikamente für Headshaking-Pferde gibt es keine, bei manchen Pferden helfen aber Wirkstoffe, die bei Menschen mit einem Trigeminus-Problem eingesetzt werden. Cyproheptadin ist ein Antihistaminikum und wird auch zur Behandlung von Allergien verwendet. Carbamazepin und Gabapentin beeinflussen die Reizweiterleitung am Nerv.

Headshaking-Pferd: Fütterung

Auch das Futter kann bei Headshaking entscheidend sein und die Therapie unterstützen. Achte darauf, dass dein Vierbeiner täglich qualitativ hochwertiges Heu ohne Schimmel und gutes Kraftfutter bekommt. Mit einem entsprechenden Ergänzungsfutter kannst du dafür sorgen, dass der Nährstoffbedarf deines Pferdes immer gedeckt ist.

Heu in der Heuraufe

Zudem sind bei einem Headshaking-Pferd Homöopathie, entzündungshemmende Inhaltsstoffe und verschiedene Kräuter oft hilfreich, da diese den Trigeminusnerv beruhigen und Schmerzen lindern. Lavendel, Hanföl, Bachblüten, Glucosamin, Grünlippmuschel oder Ingwer können zum Beispiel sinnvolle Ergänzungen sein. Auch die Zufütterung von Leinöl ist eine wertvolle Ergänzung, da es ungesättigte Omega-3-Fettsäuren enthält, welche Entzündungen lindern können.

Fazit

Es sind immer mehr Pferde von Headshaking betroffen, die Erkrankung ist aber leider immer noch relativ unerforscht. Deshalb hilft auch nicht jede Behandlung bei jedem betroffenen Pferd. Wichtig ist, dass du einen Tierarzt zurate ziehst, sobald du erste Symptome bei deinem Vierbeiner beobachtest. Gemeinsam könnt ihr dann die Ursache herausfinden und entsprechende Schritte einleiten.

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    Die Autoren

    Ich bin Bloggerin bei FUNDIS Reitsport und kann hier meinen Traum leben: Das Hobby mit dem Beruf verbinden. Seit über 20 Jahren bin ich begeisterte Reiterin und bringe euch in meinen Blogbeiträgen die Themen aus den unterschiedlichen Sparten des Reitsports näher.
    Fragen und Wünsche dürft ihr gerne in die Kommentare schreiben. :)

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