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Artgerechte Pferdehaltung

9. September 2019 // Lena Junker

Pferde sind Tiere, die ursprünglich auf das Leben in der Steppe angepasst waren und sich dort den ganzen Tag frei bewegen konnten. Diesen Gedanken solltest du im Hinblick auf die artgerechte Haltung immer im Hinterkopf behalten. Nur hierdurch geht es deinem Pferd gut und du unterstützt es gleichzeitig hinsichtlich seiner Gesundheit. Welche Faktoren für die artgerechte Pferdehaltung besonders wichtig sind, stellen wir in diesem Artikel vor.

Das Pferd benötigt sehr viel Auslauf

Naturgemäß ist ein Pferd ein Lauftier, welches bei uneingeschränkter Bewegungsfreiheit sehr viele Kilometer am Tag zurücklegt. Das liegt unter anderem daran, dass ein Pferd in freier Wildbahn ständig auf Futtersuche ist und sich hierbei bewegt. Idealerweise solltest du deinem Tier das ganze Jahr über Weidegang oder den Auslauf auf einem größeren Sandpaddock, ermöglichen. Reine Boxenhaltung sollte vermieden werden.

Pferde auf Weide

Inzwischen wird wieder vermehrt Wert auf eine artgerechte Haltung gelegt und verschiedene Stallkonzepte ermöglichen den Pferden viel Bewegung. Hierzu zählt zum Beispiel der Offenstall, in welchem die Tiere den ganzen Tag frei zwischen Stallgebäude, Weide oder Paddock wählen können. Bei einem sogenannten Aktivstall sind die verschiedenen Bereiche so aufgeteilt, dass die Pferde viel Strecke zurücklegen müssen, um zu den Futterstationen, Ruhebereichen oder Wasserstellen zu gelangen.

Abwechslung im Pferdetraining

Neben ausreichend Auslauf solltest du dein Pferd trotzdem noch regelmäßig bewegen. Hierzu können beispielsweise klassisches Reiten, aber auch Longieren oder Bodenarbeit gehören. Bedenke, dass das Trainingsprogramm für das Pferd möglichst abwechslungsreich gestaltet werden sollte. Dies hat, wie beim Menschen auch, den Grund, dass nicht dauerhaft dieselben Muskelgruppen beansprucht und somit belastet werden.

Außerdem beugst du durch die verschiedenen Trainingseinheiten der Langeweile des Pferdes vor. Es ist ausgeglichener und leidet dementsprechend deutlich seltener unter psychischen Auffälligkeiten. Schau dir die Blogbeiträge über Stangenarbeit und Springgymnastik an. Dort kannst du dir Anregungen holen, wie du etwas Abwechslung in die Arbeit mit deinem Pferd bringen kannst

Springpferd

Pferde sind Herdentiere

Auch dieser Fakt wird von vielen Pferdebesitzern vergessen. Ein Pferd fühlt sich allein und ohne Artgenossen unwohl und wäre in freier Wildbahn zudem ein geeignetes Beutetier. Deshalb ist es wichtig, dass du das Pferd gemeinsam mit anderen Pferden hältst. Auch für die Sozialverträglichkeit ist dies entscheidend. Ermögliche dem Tier, Artgenossen zu begegnen und sich in eine Herde zu integrieren. Natürlich ist das für Hengsthalter sehr schwierig zu erfüllen, jedoch kann hier darauf geachtet werden, dass das Tier neben Wallachen oder anderen Hengsten steht, um dadurch Sozialkontakt aufzubauen.

Das richtige Futter für dein Pferd auswählen

Zur artgerechten Haltung des Pferdes gehört unbedingt auch die Wahl des richtigen Futters. Dieses sollte aus Rau- und Saftfutter sowie (bei Bedarf) aus Kraftfutter bestehen.  Während der Sommermonate fühlt sich das Pferd auf einer grünen Koppel wohl. Es nimmt dort genau die Nährstoffe auf, die es benötigt, um gesund und vital zu bleiben. Während der kalten Jahreszeit steht kein frisches Gras zur Verfügung, sodass du in dieser Zeit mehr Heu anbietest. Beachte, dass je nach Region und Jahreszeit die Zusammensetzung des Grases sowie des Heus unterschiedlich sein kann und du gegebenenfalls Ergänzungsfutter anbieten solltest. Die Blogbeiträge „Grundregeln der Pferdefütterung“ und „Mineralfutter und Vitamine für Pferde“ geben dir Information zum Thema.

Reiter im Herbstwald

Um zusätzlich wichtige Vitamine zu erhalten, kannst du dem Tier, neben Gras, weiteres Saftfutter anbieten. Hierbei handelt es sich um Obst- bzw. Gemüsesorten wie beispielsweise Möhren oder Äpfel.

Kraftfutter in der Pferdefütterung nur bei Bedarf verwenden

Viele Pferdebesitzer meinen es gut mit ihrem Tier und stellen diesem regelmäßig großen Mengen an Kraftfutter zur Verfügung. Dies führt jedoch häufig zu Übergewicht und infolgedessen zu gesundheitlichen Einschränkungen. Bedenke immer, dass das Kraftfutter den Sinn hat, dem Tier Energie zuzuführen. Bei Sportpferden ist dies auch eine gute Sache, allerdings solltest du berechnen, wie viel Energie dein Pferd wirklich benötigt und anschließend die hierfür benötigte Futtermenge ermitteln. Diese sollte den Energiebedarf abdecken, jedoch keinesfalls überschreiten. Viele Pferdebesitzer vergessen hierbei, dass ein großer Energiebedarf auch schon durch das Heu abgedeckt ist.

Ebenso wichtig wie das Futter ist der Umstand, dass das Pferd ausreichend Wasser benötigt. Im Stall, auf der Weide oder dem Paddock muss somit immer frisches Wasser in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Dies gilt vor allem für die heißen Sommertage, an denen das Pferd automatisch mehr Durst haben wird.

Ausreichend Schattenplätze auf der Pferdekoppel im Sommer schaffen

Die Sommermonate sind für das Pferd zwar schön, jedoch aufgrund der Hitze auch mit einem enormen Kraftaufwand verbunden. Pferde vertragen Kälte weitaus besser als Hitze. Es ist daher wichtig, dass das Tier durchgehend die Möglichkeit hat, einen Schattenplatz aufzusuchen. Dabei spielt es keine Rolle, ob genügend Bäume vorhanden sind, oder dem Pferd ein kleiner Unterstand zur Verfügung steht.

Sind mehrere Pferde auf der gleichen Weide, musst du darauf achten, dass alle Tiere die Möglichkeit haben, im Schatten zu stehen.

Pferd auf Weide fressen

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat die “Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten” veröffentlicht. Diese Leitlinien sind nicht rechtsbindend aber sie geben eine gute Orientierung für alle Pferdebesitzer und können kostenlos heruntergeladen werden. Gerade bei der Neukonzeption eines Pferdestalls sollten diese Normen unbedingt eingehalten werden.

Unsere Pferdehaltung kann dem Pferd kein Leben wie in freier Wildbahn ermöglichen, aber mit durchdachten Konzepten und auch gutem Management, können wir unseren Pferden genügend Freiraum zur Ausübung ihres natürlichen Verhaltens bieten. Dein Pferd wird es dir mehr als danken.

Inhalt //

    Die Autoren

    Ich bin 29 Jahre alt und liebe es, für euch Beiträge zu schreiben. Vor über 20 Jahren habe ich meine Liebe zu den Pferden entdeckt und diese sogar durch mein Studium Pferdewirtschaft zu meinem Beruf gemacht. Gerade reise ich durch Australien und versuche noch mehr verschiedene und internationale Eindrücke in die Pferdewelt zu bekommen.
    Solltet ihr Wünsche zu bestimmten Themen haben - immer her damit. 🙂

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