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Reiten in der Schwangerschaft: Ist das gefährlich?

18. Februar 2022 // Larissa Zimmer

Der Schwangerschaftstest zeigt zwei Striche an - die Freude ist groß, denn Nachwuchs ist unterwegs. Doch es dauert nicht lange, bis sich eine schwangere Reiterin Gedanken um ihren geliebten Vierbeiner macht und sich die wichtigste Frage stellt: Darf man in der Schwangerschaft reiten? Viele Ärzte und Hebammen raten davon ab, schwanger zu reiten, da es sich um eine Risikosportart handelt. Ob es wirklich gefährlich ist und ab wann das Reiten nach der Geburt wieder möglich ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Schwanger reiten - ja oder nein?

Du liebst den Reitsport, erwartest aber in einigen Monaten Nachwuchs und nun fragst du dich: Ob und wie lange ist Reiten in der Schwangerschaft möglich? Leider müssen wir dich enttäuschen, aber ein klares Ja oder Nein gibt es hier nicht. Am besten entscheidest du für dich selbst, ob du dich dazu in der Lage fühlst und ob es dir guttut, auf dein Pferd zu steigen.

Wendest du dich nämlich mit der Frage an deinen Frauenarzt oder deine Hebamme, werden dir diese größtenteils davon abraten, da es in ihren Augen zu gefährlich und risikoreich ist und sie sich nicht mit dem Reiten auskennen. Objektiv betrachtet haben sie damit natürlich nicht unrecht, denn im Reitsport ist das Verletzungsrisiko deutlich höher als beispielsweise beim Schwimmen. Aber das bedeutet ja nicht gleich, dass alle Schwangeren nicht mehr reiten dürfen. Vielmehr solltest du das von deinem Gesundheitszustand, Wohlbefinden und Verlauf der Schwangerschaft sowie von deiner Reiterfahrung abhängig machen.

Bist du eine erfahrene Reiterin und sitzt schon seit längerer Zeit regelmäßig auf dem Pferd, spricht prinzipiell nichts gegen das Reiten in der Schwangerschaft und auch nichts gegen das Reiten in der Frühschwangerschaft. Als Reitanfängerin oder Reiterin, die nur gelegentlich auf einem Pferd sitzt, solltest du in den nächsten Monaten besser auf deinen Lieblingssport verzichten, denn es kann passieren, dass du in riskanten Situationen nicht entsprechend reagieren bzw. diese nicht richtig einschätzen kannst.

Neben deiner Reiterfahrung spielt auch der Charakter deines Vierbeiners eine wichtige Rolle. Kannst du dich auf ihn verlassen und ihm vertrauen, dann ist das Weiterreiten möglich. Bei einem schreckhaften und stürmischen Pferd musst du dir gut überlegen, ob es das Risiko wert ist, aufzusteigen. Auch das Reiten auf jungen Vierbeinern erhöht die Unfallgefahr, da diese oft noch unberechenbar sind.

Mögliche Vor- und Nachteile für das Reiten während der Schwangerschaft

Unter den genannten Bedingungen ist das Reiten in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht ungesund - vorausgesetzt, es handelt sich um eine unkomplizierte Schwangerschaft. Obwohl viele Ärzte dagegen sind, solltest du die Vorteile nicht außer Acht lassen, denn Sport in Maßen wirkt sich in der Schwangerschaft positiv auf die Gesundheit aus.

Damit du einen Überblick bekommst, welche Auswirkungen Reiten in der Schwangerschaft hat, haben wir die Pros und Contras für dich zusammengestellt. Sei dir aber bewusst darüber, dass nicht immer alle Punkte zutreffen müssen, denn jede Schwangerschaft verläuft anders.

Vorteile Nachteile
Senkung des BlutdrucksErhöhtes Verletzungsrisiko durch Sturz
Erhöhung der SauerstoffversorgungHöhere Stressbelastung (v. a. bei Berufsreitern)
Linderung von RückenschmerzenUnterleibsbeschwerden durch Überbelastung
Senkung des Risikos von SchwangerschaftsdiabetesEingeschränkte Beweglichkeit
Verbesserung der Kondition
Stärkung der Beckenbodenmuskulatur
Bessere Kondition
Besseres Körpergefühl

Viele Schwangere fürchten ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten durch das Reiten in der Schwangerschaft. Susanna Kramarz hat sich in ihrer Dissertation an der Medizinischen Fakultät der Universität München im Jahr 2011 eingehend mit diesem Thema beschäftigt und 1.851 Reiterinnen befragt, die während ihrer Schwangerschaft geritten sind. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Reiten in der Schwangerschaft keinen Einfluss auf Aborte, Fehl- oder Frühgeburten hat.

Kramarz betont in ihrer Promotion, dass das Risiko eines Reitunfalls dennoch sehr hoch ist. Dies betrifft insbesondere Reiterinnen, die sehr ambitioniert sind, Reiten als Profisport ausüben, im Spring- und Geländereiten aktiv sind und häufig auf jungen Pferden sitzen. Aber auch bei anderen schwangeren Reiterinnen, auf welche keine der genannten Risikofaktoren zutreffen, kann die Unfallgefahr nie sicher ausgeschlossen werden.

Tipps für das Reiten in der Schwangerschaft

  1. Entscheide nach deinem Bauchgefühl und lass dir von niemandem reinreden. Die einzige Person, mit der du das Thema besprechen solltest, ist der Vater des Kindes. Schließlich ist es euer gemeinsames Baby.
  2. Suche dir immer eine Person, die dabei ist, wenn du reitest. So bist du nicht auf dich allein gestellt, falls doch einmal etwas passieren sollte, und es kann sofort Hilfe gerufen werden. Das ist besonders wichtig, wenn du weiterhin ausreiten möchtest. Hast du niemanden, der dich begleiten kann, bietet sich der Guardian Horse Unfall Tracker von USG an. Dieser erkennt Reitunfälle automatisch und gewährleistet ein schnelles Alarmieren deiner Notfallkontakte.
  3. Schnell mal das rechte Bein hinten über den Sattel schwingen und in Bauchlage abspringen, so wie eben normale Menschen vom Pferd absteigen, wird für dich nicht mehr möglich sein, sobald der Bauch eine bestimmte Größe hat. Eigne dir also am besten frühzeitig eine andere Absteigmethode an. Zum Beispiel kannst du das rechte Bein über den Hals heben und dann langsam nach unten gleiten. Oder du parkst dein Pferd an der Aufstiegshilfe und steigst dort ab.
  4. Entscheidest du dich, schwanger zu reiten, da es sich richtig anfühlt, solltest du es dennoch immer mit Bedacht ausführen und das Risiko so gering wie möglich halten. Achte auf die richtige Reitausrüstung und deine Sicherheit, denn du bist jetzt für zwei Menschenleben verantwortlich. Ein gutsitzender Reithelm, der alle Sicherheitsstandards erfüllt, ist hierbei besonders wichtig und darf nie fehlen. Eine Airbag-Weste solltest du jedoch nicht tragen, da der Airbag Druck aufbaut und so das Ungeborene verletzen könnte.
  5. Es gibt kein Richtig oder Falsch, wenn es um das Reiten in der Schwangerschaft geht. Die einen möchten nur noch Schritt reiten, andere verzichten nur auf Ausritte und wieder andere reiten einfach ganz normal in allen drei Grundgangarten weiter. Tu das, wozu du dich in der Lage fühlst. Traust du dich nicht mehr auf dein Pferd zu steigen, solltest du es trotzdem beschäftigen. In unseren Blogbeiträgen zu Bodenarbeit, Longieren und Freispringen erfährst du mehr über die Alternativen zum Reiten. Natürlich kannst du auch Spaziergänge in dein Programm für die nächsten Monate aufnehmen. 🙂
Reiterin führt Pferd

Ab wann nach der Geburt wieder reiten?

Viele Reiterinnen können es nach der Geburt nicht erwarten, endlich wieder in den Sattel zu steigen. Wie schnell das Reiten nach der Geburt möglich ist, hängt zum einen davon ab, wie fit du während der Schwangerschaft warst und wie die Geburt verlaufen ist. Fühlst du dich körperlich oder mental unwohl, solltest du lieber noch etwas warten. Es kommt auch oft vor, dass Reiterinnen nach der Schwangerschaft mental angespannt oder blockiert sind, da sie durch die neue Verantwortung mehr nachdenken. In jedem Fall solltest du erst nach Absprache mit deinem Frauenarzt bzw. deiner Hebamme wieder mit dem Reiten anfangen.

Der Körper verändert sich durch eine Schwangerschaft massiv. Man nimmt an Gewicht zu, die Bauchmuskeln bilden sich zurück, die Muskulatur wird allgemein weich und der Beckenboden wird stark beansprucht bei der Geburt. Deshalb ist es wichtig, dass du dir danach genügend Zeit nimmst, wieder zu deiner alten Form zurückzufinden. Was das Reiten nach der Geburt betrifft, raten Hebammen und Ärzte, erst nach sechs bis acht Wochen wieder damit anzufangen.

Mit dem Reiten nach dem Kaiserschnitt solltest du noch länger warten. Wichtig ist, dass alle Wunden und Nähte vollständig abgeheilt sind. Vor dem Aufgehen der Narbe musst du im Normalfall keine Angst haben, denn diese sollte nach sechs Wochen verheilt sein. Vielmehr besteht die Gefahr von Mikrofissuren. Dabei handelt es sich um kleinste innere Verletzungen, die zu Verwachsungen führen und höllische Schmerzen verursachen können.

Sowohl nach einer normalen Geburt als auch nach einem Kaiserschnitt ist es bedeutsam, den Beckenboden zu stärken. Der Reitsport ist hierfür sehr empfehlenswert, da der Beckenboden durch das An- und Abspannen der Rumpfmuskulatur effektiv trainiert wird. Auch Yoga sorgt nach der Schwangerschaft für mehr Wohlbefinden und hilft dir dabei, deinen Körper wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. In unserem Blogbeitrag über Yoga für Reiter stellen wir dir entsprechende Übungen vor.

Fazit

Keiner kann dir eine klare Antwort auf die Frage geben, ob du während der Schwangerschaft reiten solltest oder nicht, denn jede Schwangerschaft verläuft anders. Höre auf dein Bauchgefühl und entscheide dann, ob du dich fit bzw. wohl dabei fühlst, wenn du auf dein Pferd steigst und reitest. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass die Unfallgefahr beim Reiten hoch ist und selbst das bravste Pferd einmal erschrecken und losrennen kann. Aber auch im Alltag, wie beispielsweise beim Auto- oder Radfahren, kann es zu Unfällen kommen, deshalb musst du das Risiko immer selbst abwägen. Natürlich solltest du nicht vom Schlimmsten ausgehen und positiv denken. Dein Pferd freut sich sicherlich, dass es dich auch während der Schwangerschaft tragen darf. 🙂

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    Die Autoren

    Ich bin Bloggerin bei FUNDIS Reitsport und kann hier meinen Traum leben: Das Hobby mit dem Beruf verbinden. Seit über 20 Jahren bin ich begeisterte Reiterin und bringe euch in meinen Blogbeiträgen die Themen aus den unterschiedlichen Sparten des Reitsports näher.
    Fragen und Wünsche dürft ihr gerne in die Kommentare schreiben. 🙂

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