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Turnieranfänger und ihre Marotten

29. Juli 2019 // Katja Kuballa

Die erste Diagonale im Mitteltrab - wenn auch ähnlich der Gangart Tölt - wurde durchgehalten und der erste vollständige Parcours wurde absolviert. Zwar fünf von sieben Sprüngen mit Abwürfen überwunden, eine kleine Extra-Volte musste auch eingebaut werden, aber wenn nicht jetzt – wann dann? Es wird Zeit, das erste Turnier zu nennen!

Der Kampf um den Startplatz

Das Turnier wurde ausgewählt, die Ausschreibung auf der Internetseite des Reit- und Fahrvereins entdeckt und die Prüfungsnummern notiert. Das Turnier ist erst in drei Monaten? Das macht nichts: Ab jetzt wird FN Neon stündlich aktualisiert. Wäre doch gelacht, wenn man keinen der 50 Nennplätze ergattern kann.

Die XXL-Lunchbox: Man weiß ja nie, was einen erwartet

Es liegen zwar nur 15 Kilometer zwischen dem Heimat- und dem Turnierstall, aber man sollte für alles gerüstet sein. Wer weiß, ob man unterwegs in einen Stau oder ein heftiges Unwetter gerät. Auch eine Flutwelle wie bei „The Day after Tomorrow“ wäre denkbar. Also wird sich Omas Thermoskanne geliehen, Sandwiches geschmiert, die jedes Subway-Baguette in den Schatten stellen und sicherheitshalber eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte gebacken. Die Rückbank ist auf jeden Fall belegt – mit Nahrung für alle anwesenden Turnierteilnehmer.

Timing ist alles: Lieber etwas Puffer einplanen

Der große Turniertag ist gekommen, Prüfungsbeginn um 7:30 Uhr! Das hiesige Rechnen beginnt: Pferd waschen und einflechten, dafür kann man schon mal drei Stunden veranschlagen. Zwanzig Minuten reguläre Fahrzeit, man sollte allerdings unbedingt noch einen Puffer für die bereits erwähnte Flutwelle einbauen. Und was, wenn man erster Teilnehmer ist? Unbedingt zwei Stunden vor Prüfungsbeginn vor Ort sein. Aufstehen müssen wir also um… Ach, warum überhaupt schlafen gehen!

Die Fan-Base: Mehr ist mehr

Mama, Papa, Schwester, Oma, Opa, Tante, Großcousine, Nachbar der Großcousine, Gärtner der Freundin und die Stall-Freundinnen sowie sämtliche TTs nicht zu vergessen. Am Tag der Tage versammelt sich die Fangemeinde, in durchschnittlicher Größe einer Schulklasse, am maroden Zaun des Reit- und Fahrvereins Ackerhausen. Mit im Gepäck: Mindestens ein Baby im Kinderwagen, rosafarbene Pompoms, personalisierte Plakate und ganz viele themenspezifische Experten-Fragen.

Warum Timing WIRKLICH wichtig ist

Bei Prüfungsbeginn wird auf dem Pferd gesessen. Da steht man extra so früh auf, damit man um 4:00 Uhr auf dem Turnierplatz sein kann und dann hat um diese Uhrzeit noch nicht einmal die Meldestelle geöffnet. Eine bodenlose Frechheit! Startfolge J, bei 50 Nennungen. Da wird Horsti sicherheitshalber schon einmal fertig gemacht. Oh, nur noch 48. Starterin? Lieber schon einmal mit dem Abreiten beginnen.

Timing die Dritte: Jetzt wird abgesprungen

Safety first: Auch beim Abspringen sollte immer genügend Zeit eingeplant werden. Schließlich könnte es sein, dass sieben Reiter vor einem ausfallen, und dann steht man dort mit seinem Pferd, hat erst 38 Sprünge absolviert und ist ganz gewiss noch nicht dazu bereit, den Parcours zu betreten. Wo kämen wir denn da hin?! Generell gilt sowieso: Was bis zum Turnier nicht sitzt, lässt sich ganz hervorragend auf dem Abreiteplatz trainieren. Also wird zuerst der Oxer 21-mal überwunden und zuletzt noch ein paar Mal der Steilsprung geübt – von beiden Seiten, versteht sich. Vier Loch höher als es in der Prüfung gefordert ist? Macht nichts! Der Sprung wird trotzdem mitgenommen. Mehr ist schließlich mehr.

Die Siegerehrung

Zuerst möchte ich meinen Füßen danken, ohne die ich hier heute nicht stehen würde. Und meiner bereits angesprochenen Fan-Base. Und der Flutwelle, dass sie es heute gut mit uns gemeint hat. Ach ja, eventuell auch noch meinem Pferd, dass es mich - trotz 1,5-stündigem Abreiten - lebendig durch die Ziellinie getragen hat. Zum Dank darfst du mich und unsere grüne Schleife nun in Tempo 180 durch die Ehrenrunde tragen. Und zwar nicht nur eine, sondern vier Runden, schließlich sind wir die Stars des Tages und die Fanbase muss ja genügend Zeit haben, die eigens designten Fähnchen zu schwingen.

Mit ganz viel Glück gibt’s auch noch die Siegerfaust an der Mitte der langen Seite, während das Siegerpaar mit einem charmanten Lächeln überholt wird. Wer braucht schon seinen Namen auf der Ergebnisliste, wenn man während der Ehrenrunde das gesamte Publikum für sich gewinnen kann?

Das Schleifchen: Die Frontscheibe als Vitrine

Wenn Pferd und Reiter die Ehrenrunde überlebt haben und tatsächlich schon nach einer Prüfung nach Hause fahren (gerne auch drei Prüfungen pro Tag), geht es jetzt nur noch darum, einen krönenden Abschluss zu schaffen und aller Welt mitzuteilen, wie erfolgreich man heute doch war. Step 1: Die Schleife in der Frontscheibe drapieren oder wahlweise auch gerne an den Rückspiegel hängen. Oberstes Gebot hierbei: Sichtbar muss es sein. Man will schließlich wahrgenommen werden, wenn man hupend durch die Tore des heimischen Reitstalls fährt: „Huhu, Freunde! Schaut mal, wie erfolgreich Horsti und ich heute waren! Naaaa, neidisch?!“

ACHTUNG!

Dieser Artikel basiert auf empirischen Forschungen und entspricht zu 101 % der Wahrheit. Überzogene Äußerungen oder gar Generalisierungen lassen sich hier nicht finden. Wir machen keinen Spaß... 😉

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Inhalt //

    Die Autoren

    Ich bin Katja und seit meinem fünften Lebensjahr Pferdemädchen mit Leib und Seele. Durch meine Tätigkeit als Bloggerin bei Fundis Reitsport kann ich meine Leidenschaft mit dem Beruf verbinden und freue mich darauf, euch über Themen aus den unterschiedlichen Bereichen der Pferdewelt zu berichten.
    Lasst mich gerne jederzeit über die Kommentarfunktion wissen, wenn ihr spezielle Wünsche oder Themenvorschläge habt. 🙂

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