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Shivering beim Pferd: Die Zitterkrankheit

24. November 2022 // Larissa Zimmer

Ein Pferd, das unter dem Shivering-Syndrom leidet, wirkt auf den ersten Blick meistens gar nicht krank. In bestimmten Situationen kommt es jedoch zu mehr oder weniger starken Muskelkrämpfen im Bereich der Hinterhand, die aussehen wie ein Zittern. Die Zitterkrankheit ist zwar nicht heilbar, es wird jedoch davon ausgegangen, dass die betroffenen Vierbeiner dabei keine Schmerzen erleiden. Somit haben wir dir auch schon die Frage „Ist Shivering schmerzhaft?“ beantwortet. Nachfolgend erfährst du, worum es sich bei Shivering beim Pferd genau handelt, wie es verursacht wird und welche Symptome auftreten. Außerdem haben wir Tipps für dich, was du gegen das Muskelzucken beim Pferd tun kannst und welche Fütterung hilfreich ist.

Was ist Shivering beim Pferd?

Shivering beim Pferd, auch Zitterkrankheit genannt, ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Ist ein Vierbeiner davon betroffen, kann beispielsweise beim Hufauskratzen oder Rückwärtsrichten ein unkontrolliertes Zittern der Muskeln in der Hinterhand auftreten. Häufig ist aber auch zu beobachten, dass das Pferd ein Hinterbein ruckartig hochzieht, kurz in dieser Position verharrt und das Bein dann wieder abstellt.

Frau kratzt Hufe aus

Deshalb wird Shivering oft mit dem sogenannten Hahnentritt verwechselt. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass das Tier bei Letzterem das Hinterbein ruckartig hochzieht und genauso ruckartig auch wieder absetzt.

Meist erkranken Pferde in einem frühen Alter zwischen vier und sieben Jahren an dem Shivering-Syndrom. Betroffen sind häufig Sportpferde mit herausragender Abstammung sowie große und schwere Pferde wie Kaltblüter oder Warmblüter ab einem Stockmaß von 1,75 m. Bei Ponys hingegen tritt die Krankheit seltener auf. Zudem ist aufgefallen, dass mehr Wallache und Hengste an Shivering leiden als Stuten, es konnte bisher jedoch nicht erklärt werden, wieso das so ist.

Kann man Pferde mit Shivering reiten?

Da angenommen wird, dass betroffene Tiere nicht unter Schmerzen leiden, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen und mit einer angepassten Fütterung dein Shivering-Pferd reiten.

Wie entsteht Shivering?

Obwohl Shivering beim Pferd schon lange existiert und erforscht wird, ist noch immer nicht genau geklärt, was die Krankheit letztendlich verursacht. Verschiedene Theorien und Studien besagen, dass die Zitteranfälle durch eine Stoffwechselerkrankung der Muskulatur, durch neurologische Probleme oder durch Traumata entstehen könnten. Auch schwere Infekte, genetische Veranlagungen und hormonelle Störungen sind viel diskutierte, jedoch bislang nicht belegte Ursachen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Weiterleitung der Impulse vom zentralen Nervensystem an die Muskelzellen nur lückenhaft funktioniert und deshalb das Muskelzittern entsteht. Es ist allerdings unklar, wieso die Informationen nicht richtig weitergeleitet werden. Eine Studie geht davon aus, dass ein sehr niedriger Glykogengehalt in den Muskelzellen dafür verantwortlich ist. In einer anderen Studie wird berichtet, dass der Abbau von Nervenzellen im Kleinhirn die Ursache für die unvollständige Weiterleitung ist.

Shivering beim Pferd: Symptome

Bei jedem Pferd, das unter Shivering leidet, schreitet die Krankheit in unterschiedlichem Tempo voran. Meistens merkt man den Vierbeinern im Alltag nichts an und sie wirken auf den ersten Blick gesund, doch in bestimmten Situationen lässt sich die Problematik an dem unkontrollierten Muskelzittern im Bereich der Hinterhand oder dem ruckartigen Anheben eines Hinterbeins erkennen. Dies passiert beispielsweise beim Auskratzen der Hufe, beim Schmied oder auch bei Rückwärtsbewegungen – sowohl mit als auch ohne Reiter auf dem Rücken.

Weitere Anzeichen für das Shivering-Syndrom können ein zuckender oder schief gehaltener Schweif, Muskelschwund, eine schwache Hinterhand oder eine allgemeine Leistungsschwäche sein. In seltenen Fällen kommt es auch zu Zuckungen in der Vorhand oder im Gesicht, insbesondere im Bereich der Nüstern, Lippen und Ohren.

Es kommt auch vor, dass die Symptome vermehrt in stressbedingten Situationen auftreten. Dabei kann es sich um physischen, aber auch psychischen Stress handeln, zum Beispiel beim Impfen oder Transport. Wie ausgeprägt die Symptome sind und wie stark diese auftreten, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich.

Pferd verladen

Diagnose und Behandlung: Was tun bei Shivering beim Pferd?

Ein standardisiertes Diagnoseverfahren für Shivering gibt es leider nicht, da jedes Shivering-Pferd einen anderen Verlauf sowie unterschiedliche und individuelle Symptome zeigt. Der Tierarzt muss sich das Pferd für eine stichhaltige Diagnose genau ansehen, denn die Anzeichen sind nicht nur ähnlich wie beim Hahnenfuß, sondern können auch auf Knieverletzungen oder Kissing Spines hindeuten.

Tierkliniken können eine weitere Untersuchung durch ein Elektromyogramm (EMG) durchführen, bei welchem die neuromuskulären Aktionen bei der Kontraktion von Muskelfasern gemessen werden. Des Weiteren kann es hilfreich sein, ein Blutbild machen zu lassen, was jedoch allein meistens nicht ausreichend ist.

Die Zitterkrankheit gilt als unheilbar und es gibt derzeit für ein Shivering-Pferd keine Behandlung oder Therapie. Auch vorbeugende Maßnahmen zeigten bislang keinen Erfolg. Es wird zwar davon ausgegangen, dass die Erkrankung schmerzfrei für das Pferd verläuft, dennoch können die Muskelkrämpfe Blockaden und Verspannungen hervorrufen. Eine gute Nachricht haben wir jedoch: Leidet dein Pferd unter Shivering, kannst du es in Sachen Fütterung, Haltung, Hufpflege, Training und Gesundheitsmanagement unterstützen.

Shivering beim Pferd: Fütterung

Wichtig ist in erster Linie, dass du deinem Shivering-Pferd qualitativ hochwertiges Heu fütterst und komplett auf Silage verzichtest, da diese einen sehr hohen Säuregehalt aufweist. Durch die Säure kann es zu einer Leberüberlastung kommen, was auch den Muskelstoffwechsel negativ beeinflusst. Für ein Pferd mit Shivering ist ein zusätzlich belasteter Muskelstoffwechsel nicht ideal.

Bist du dir unsicher, welche Zusätze dein Liebling benötigt, fragst du am besten deinen Tierarzt. Dieser kann anhand des Blutbildes erkennen, ob ein bestimmter Mangel vorliegt.

Haltung

Betroffene Pferde brauchen viel Platz, damit sie problemlos wenden können, sowie eine große Liegefläche zum Schlafen. Eine geschlossene Box ist für Shivering-Pferde nicht ideal, da langes Stehen die Muskelverkrampfungen verschlimmern kann. Die bessere Wahl ist eine Paddockbox oder ein Offen- oder Aktivstall. Wichtig ist nur, dass das Pferd an allen Stellen genug Platz zum Wenden hat und nicht rückwärtslaufen muss. Wie Pferde bestenfalls gehalten werden sollten, erfährst du in unserem Blogbeitrag „Artgerechte Pferdehaltung“.

Training

Pferde mit dem Shivering-Syndrom können meist noch problemlos geritten werden und laufen teilweise sogar erfolgreich im Turniersport. Beim Training sollte jedoch stets der Muskelaufbau und die Erhaltung, insbesondere im Rückenbereich, an erster Stelle stehen, denn gut bemuskelte Pferde kommen besser mit der Erkrankung zurecht. Dies erreichst du beispielsweise durch richtiges Gymnastizieren, Bodenarbeit und Longieren.

Wie stark du deinen Vierbeiner belasten und trainieren kannst, hängt natürlich davon ab, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Hier ist es ratsam, mit deinem Tierarzt und Osteopathen bzw. Physiotherapeuten Rücksprache zu halten.

Gesundheitsmanagement und Hufpflege

Eine regelmäßige Behandlung durch Osteopathen und Physiotherapeuten kann Verspannungen und Blockaden beim Pferd lösen, wobei die Abstände der Besuche durchaus kürzer sein können als bei Pferden, die nicht unter der Muskelkrankheit leiden. Zudem können spezielle Therapiedecken wie Akupressur-, Massage- und Magnetfelddecken helfen, welche du ganz unkompliziert im Alltag anwenden kannst.

Pferd trägt Therapiedecke

Auch bei der Hufpflege kannst du dein Pferd etwas entlasten, indem du ihm einen Beschlag ersparst und barhuf laufen lässt. Reagiert dein Vierbeiner bei bestimmten Bodenverhältnissen empfindlich, kannst du es mit Hufschuhen versuchen. Kommst du nicht um Hufeisen herum, kann eine Sedierung das Beschlagen erträglicher machen. Wichtig ist in jedem Fall, dass du deinen Hufschmied darüber informierst, dass dein Pferd Shivering hat.

In jedem Fall solltest du Stress vermeiden, denn in solchen Situationen können sich die Symptome verschlimmern. Finde also heraus, wann dein Pferd gestresst ist und überlege, wie du die Aufregung verhindern kannst. Oft ist es schon hilfreich, das Tier durch entspanntes Gelassenheitstraining oder Bodenarbeit an neue oder angsteinflößende Umgebungen zu gewöhnen.

Shivering-Pferd kaufen – ja oder nein?

Wenn du dich fragst, ob du ein Pferd mit der Diagnose Shivering kaufen oder lieber die Finger davonlassen solltest, können wir dir nur empfehlen, mit deinem Tierarzt darüber zu sprechen. Er kann das Tier ausgiebig untersuchen und dich beraten, was auf dich zukommen würde, wenn du dich für den Kauf entscheidest. Letzten Endes liegt die Entscheidung natürlich bei dir.

Fazit

Shivering beim Pferd ist zwar nicht mit Schmerzen verbunden, dennoch solltest du ein paar Abstriche machen und deinen Liebling bestmöglich unterstützen. Ziehe am besten deinen Tierarzt zurate, damit er dich beim weiteren Vorgehen beraten und unterstützen kann. Hältst du dich an ein paar Punkte, dann habt ihr noch eine lange, unbeschwerte Zeit vor euch und könnt eure gemeinsamen Ausritte und das Training genießen. :-)

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    Die Autoren

    Ich bin Bloggerin bei FUNDIS Reitsport und kann hier meinen Traum leben: Das Hobby mit dem Beruf verbinden. Seit über 20 Jahren bin ich begeisterte Reiterin und bringe euch in meinen Blogbeiträgen die Themen aus den unterschiedlichen Sparten des Reitsports näher.
    Fragen und Wünsche dürft ihr gerne in die Kommentare schreiben. :)

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