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Magengeschwüre beim Pferd: Wirklich ernstzunehmende Magenprobleme

8. Februar 2021 // Lena Junker

Viel zu häufig lautet heutzutage die Diagnose Magengeschwür beim Pferd. Auch wenn vermehrt Sportpferde, vor allem Rennpferde, betroffen sind, können diese Magenprobleme bei allen Pferden, sogar Fohlen, vorkommen. Die Ursachen können hierbei sehr verschieden sein, allerdings kannst du als Pferdebesitzer deinem Tier helfen, indem du die Magengeschwür Symptome kennst und die richtige Behandlung des Magengeschwürs beim Pferd wählst. Außerdem kannst du Magenprobleme des Pferdes auch vorbeugen und so deinem Tier die Schmerzen ganz ersparen. Wie genau, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Magengeschwür beim Pferd: Krankheitsbild

Der Magen unseres Pferdes ist komplex und perfekt auf die Bedingungen in freier Wildbahn angepasst. Die Domestizierung der Tiere und der damit verbundenen neuen Fütterung sowie Haltung haben vor allem Auswirkungen auf den Verdauungstrakt. Ein Ungleichgewicht im Magen zwischen aggressiven, schleimhautschädigenden Faktoren und Faktoren, welche die Schleimhaut schützen, entsteht. Das wiederum führt zu einer der häufigsten Erkrankungen des Pferdemagens: Magengeschwüre. Studien zufolge ist die Zahl der betroffenen Pferde erschreckend hoch.

Betroffen sind ungefähr:

  • 40 % aller Freizeitpferde
  • 50 % der Fohlen
  • 60 % der Turnierpferde
  • Bis zu 90 % aller Rennpferde

Magengeschwüre resultieren oftmals aus einer vorhergehenden Magenschleimhautentzündung beim Pferd, die nicht behandelt wurde.

Pferd auf Koppel

Magengeschwüre, oder auch Magenulzera genannt, äußern sich in mehr oder weniger tiefen Verletzungen der Magenschleimhaut, welche teilweise auch bluten können. Bei einem Geschwür handelt es sich um eine Zellstörung, die dazu führt, dass die Magenschleimhaut wie eine Kraterlandschaft aussieht. Im schlimmsten Fall kann es bei einer Nicht-Behandlung sogar zum Magendurchbruch kommen.

Woran erkennt man ein Magengeschwür beim Pferd?

Damit du die Magengeschwüre beim Pferd behandeln kannst, musst du natürlich erst einmal die Magengeschwür-Anzeichen kennen. Diese sind jedoch nicht immer offensichtlich, da Pferde meist stumm leiden. Ebenso stellt die Stärke der Magengeschwür-Symptome kein Indiz über den Schweregrad der Magenprobleme dar. So kann es vorkommen, dass Pferde schwere Anzeichen eines Magengeschwürs zeigen, bei einer Gastroskopie jedoch nur leichte Veränderungen der Magenschleimhaut vorweisen und auch umgekehrt. Oftmals sind die Symptome auch erst unspezifisch und machen es dir sehr schwer, das Magengeschwür zu erkennen.

Leichter fällt es, wenn du dein Tier schon lange kennst und so eine Verhaltensunauffälligkeit direkt erkennen kannst. Häufiges Flehmen, vor allem direkt nach dem Fressen, kann ein Anzeichen für Magenprobleme sein. Es ist eine klassische Schmerzäußerung, welche so aber auch bei einer Kolik beim Pferd vorkommen kann.

Wiederkehrende milde Koliken können außerdem auch ein Anzeichen für Magengeschwüre sein. Hier ist die Gefahr, dass die Magengeschwür-Behandlung häufig nicht stattfindet, da sie nicht als Auslöser der Magenkolik erkannt wird.

Den Satz „Mein Pferd frisst nicht“ bekommen Tierärzte am Telefon häufig zu hören. Auch wenn dies verschiedene Gründe haben kann, deutet es stark auf Magenprobleme hin. Ebenso solltest du aufmerksam werden, wenn dein Pferd rülpst und starken Mundgeruch aufweist. Leidet dein Fohlen oder ausgewachsenes Pferd an Durchfall über einen längeren Zeitraum hinweg, ist dies ebenfalls ein Grund, den Tierarzt anzurufen. Da Pferde ganz unterschiedlich auf Schmerzen reagieren, können auch die Symptome verschieden ausfallen.

Wie äußert sich ein Magengeschwür:

  • Wiederkehrende Koliken
  • Schlechte Futteraufnahme
  • Flehmen
  • Aufstoßen mit Maulgeruch
  • Durchfall
  • Leistungsbereitschaft nimmt ab
  • Pferd wirkt schlapp
  • Allgemeinzustand verschlechtert sich
  • Verhaltensveränderung
  • Zähneknirschen
  • Leerkauen
  • Aufgeblähter Bauch
  • Scheu vor dem Sattel
  • Schlechter Entwicklungszustand bei Fohlen

Die Ursachen der Magenprobleme

Wie oben schon geschrieben, kommen die Magengeschwüre von einem Ungleichgewicht im Magen. Das kann zum einen durch zu viel Magensäure geschehen und zum anderen durch eine zu geringe Schleimhautschutzschicht oder zu wenig Puffersubstanzen. Auslöser hierfür sind vor allem die Fütterung, Haltungsmanagement, Training, Stress, Krankheiten sowie bestimmte Medikamente.

Magengeschwür beim Pferd durch Fütterung

Um zu verstehen, wie Magengeschwüre mit Ernährung zusammenhängen, musst du erst einmal wissen, wie der Pferdemagen funktioniert. Anders als bei uns Menschen produziert der Magen beim Pferd ständig Magensäure, auch wenn sich dort kein Futter befindet. Das hat den Grund, dass in freier Wildbahn die Pferde andauernd am Fressen sind, um genau zu sein, 16 Stunden am Tag.

Pferd frisst aus Heunetz

Ständig werden kleine Portionen mit einem großen Rohfaseranteil dem Magen zugeführt. In der heutigen Fütterung wird meistens zu viel Kraftfutter und zu wenig Heu gefüttert, was Magengeschwüre in mehreren Aspekten begünstigen kann.

Lange Fresspausen zwischen den Mahlzeiten bedeuten, dass die Magensäfte unzureichend verdünnt werden und somit die Magenschleimhaut angreifen. Heunetze oder -raufen können zum Beispiel dabei helfen, die Fressdauer zu verlängern. Dies kannst du auch nochmal in dem Beitrag zu den Vorteilen von Heunetzen und Heuraufen durchlesen.

Kraftfutter verbleibt außerdem länger im Magen als Raufutter. Dies führt dazu, dass es zu einer Vergärung der Stärke durch Milchsäure kommt und somit wiederum eine Übersäuerung hervorruft. Pferde neigen dazu, Kraftfutter zu schlingen und damit zu wenig einzuspeicheln. Der Speichel beim Fressen ist für Pferde allerdings außerordentlich wichtig, da die Enzyme im Speichel schon grundlegend zur Verdauung des Futters beitragen und der Speichel ebenso als wichtiger Säurepuffer dient.

Nicht artgerechte Haltung

Pferde stehen auf Koppel

Die Haltung spielt ebenso eine Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren. Eine reine Stallhaltung und lange Transporte können Magengeschwüre begünstigen. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Pferde in Stallhaltung meistens wenig Zeit mit dem Fressen verbringen. Ebenso kann der Stress ohne Sozialkontakte oder dem Herumtoben auf der Weide zu den Magenproblemen führen.

Magengeschwür von Stress

Stress unterschiedlichster Weise kann ein Auslöser für Magenprobleme beim Pferd sein. Das kann Reisestress sein, Stress durch einen neuen Stall, Überforderung beim Training, Ärger mit dem Boxennachbar, viele Turniere oder emotionaler Stress wie Trennungsangst. Bei Fohlen kann das Absetzen von der Mutter ein Stressfaktor sein, der Magengeschwüre zur Folge hat. Bei jedem Tier ist die Stressbelastbarkeitsgrenze unterschiedlich, daher ist es wichtig, dass du dein Pferd kennst und weißt, wenn es gestresst ist. Vor allem nervöse Pferde neigen dazu, schneller Stress ausgesetzt zu sein als ruhige, ausgeglichene Tiere. Pferde unter Stress fressen oftmals nicht regelmäßig, außerdem wird die Magenwand nicht mehr ausreichend durchblutet und dadurch weniger schützender Schleim produziert.

Krankheiten und Medikamente

Das Entstehen von Magengeschwüren kann durch eine Kolik (Verstopfung, Gaskolik und andere Ursachen) gefördert werden. Die Ursachen liegen hierbei an den Schmerzen, weniger bis gar kein Futter und verschiedenen Medikamenten. Bestimmte Medikamente können die Magenschleimhaut angreifen und empfindlicher machen, weswegen du deinen Tierarzt immer darauf hinweisen solltest, wenn dein Pferd in der Vergangenheit schon von Magenproblemen geplagt wurde.

Intensives Training

Intensives Training kann das Tier nicht nur unter Stress setzen, sondern hat auch zur Folge, dass der Druck im Bauchraum steigt. Vor allem bei Training mit viel Trab und Galopp kommt der saure Magensaft länger mit der Magenwand in Kontakt.

Sei dir bewusst, dass sich im Turniersport intensives Training und Stress nicht vermeiden lassen. Selbst bei optimaler Fütterung und Haltung lässt sich das vermehrte Risiko auf die Entstehung von Magengeschwüren nicht gänzlich vermeiden. Achte daher besonders nach einem Turnier auf mögliche Anzeichen und unterstütze dein Pferd so gut es geht mit der richtigen Fütterung.

Was hilf bei Magengeschwür des Pferdes?

Ist die Diagnose mithilfe einer Gastroskopie gestellt, möchtest du deinem Pferd natürlich gleich helfen. Da du dein Pferd so schnell wie möglich von den Schmerzen befreien möchtest, fragst du dich wahrscheinlich „Wie lange dauert ein Magengeschwür bei einem Pferd?“. Die gute Nachricht ist, dass sich Magengeschwüre bei Pferden durch die Therapie mit Medikamenten in der Regel gut behandeln lassen. Natürlich sind Therapiedauer und Erfolg von dem Schweregrad der Erkrankung abhängig. Magenkräuter für Pferde können unterstützend verabreicht werden, aber oberste Priorität hat die Entsäuerung des Magens deines Pferdes.

Hierzu wird meistens der Wirkstoff „Omeprazol“ (mit dem Markennamen GastroGard) eingesetzt, welcher ein Protonenpumpenhemmer ist und somit die Säureproduktion hemmt. Dies ermöglicht eine Regeneration der Magenschleimhaut, welche wieder als natürlicher Schutz fungieren kann. Er ist national sowie international auf Turnieren zugelassen.

Es gibt außerdem Zusatzfuttermittel, die vorbeugend, aber auch zur Nachbehandlung gegeben werden können, um den Magen vor Übersäuerung zu schützen und die Magenschleimhaut zu stabilisieren, wie das Produkt „Gastro 8 (aid)“ von Cavalor. Ebenso kannst du für Magengeschwüre beim Pferd Kräuter zur Unterstützung der Regeneration geben oder mit einem Heilpraktiker reden, ob er für Magengeschwüre Homöopathie empfehlen kann.

Vorbeugen von Magenproblemen bei Pferden

Alle Medikamente und Behandlungen sind jedoch nur von kurzem Erfolg, wenn die Ursache der Magengeschwüre nicht behoben wird. Wie schon gesagt, spielt bei Magengeschwüren des Pferdes die Fütterung eine große Rolle. Aber was füttern bei Magengeschwür beim Pferd? Das A und O in der Pferdefütterung ist und bleibt die ausreichende Menge an Raufutter in guter Qualität. Kann der Energiebedarf nicht mit ausreichend Heu gedeckt werden, füttere das Kraftfutter in kleinen und mehreren Portionen über den Tag verteilt.

Allerdings sollte das Pferd Kraftfutter erst mindestens 15 Minuten nach dem Raufutter bekommen, da so der Magen bereits gut mit Speichel gefüllt ist und es nicht schlingt. Achte außerdem darauf, dass das Kraftfutter wenig Stärke und keinen Zucker enthält.
Leinöl, gekochte Leinsamen oder Mash haben eine schleimhautschützende Wirkung und können vorbeugend und zur Regeneration gegeben werden. Auch eine regelmäßige Kur mit Magenkräutern wie Hopfen, Kamille und Kümmel wird gerne eingesetzt.

Magengeschwüre beim Pferd solltest du ernst und nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sei dir bewusst, dass du mit dem richtigen Management dein Pferd gut unterstützen und das Entstehen der Magengeschwüre oftmals sogar verhindern kannst. Ein stressfreier Umgang mit deinem Liebling ist Voraussetzung.

Pferd frisst Kraftfutter
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    Die Autoren

    Ich bin 29 Jahre alt und liebe es, für euch Beiträge zu schreiben. Vor über 20 Jahren habe ich meine Liebe zu den Pferden entdeckt und diese sogar durch mein Studium Pferdewirtschaft zu meinem Beruf gemacht. Gerade reise ich durch Australien und versuche noch mehr verschiedene und internationale Eindrücke in die Pferdewelt zu bekommen.
    Solltet ihr Wünsche zu bestimmten Themen haben - immer her damit. 🙂

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