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Der Traum vom eigenen Fohlen: Den passenden Deckhengst finden und was du bei der Zucht beachten solltest

1. März 2020 // Lena Junker

Viele Pferdebesitzer hegen den Traum, einmal ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen. Damit dieser Traum auch Wirklichkeit wird, gilt es vorab, den passenden Deckhengst zu finden. Wer sich einmal mit dem Thema auseinandergesetzt hat, weiß, dass dies schon fast der bekannten Suche von der Nadel im Heuhaufen gleicht. In Zahlen gesprochen, hast du allein in Deutschland eine Auswahl von 7.244 Hengsten. Das ist die Gesamtheit der Hengste aller Pferde- und Ponyrassen der FN-angeschlossenen Zuchtverbände im Jahre 2019. In diesem Artikel wollen wir uns jedoch auf die Reitpferdezucht konzentrieren, die mit 2.832 Hengsten eine große Auswahl bietet. Auf was du als Hobbyzüchter bei der Wahl des Vaters deines zukünftigen Lieblings achten solltest und weitere nützliche Tipps zur Pferdezucht, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Ist deine Stute für die Zucht geeignet?

„Mit einer Stute kann ich wenigstens noch decken, sollte sie nicht mehr reitbar sein.“ Diesen oder ähnliche Gedanken haben Reiter beim Kauf eines Pferdes und machen ihre Entscheidung nicht selten auch davon abhängig. Grundsätzlich ist das richtig, jedoch solltest du ein paar Dinge bei diesem Unterfangen bedenken.

Bevor du in Betracht ziehst mit deiner Stute zu züchten, sollte der Tierarzt einen „Rund-um-Check“ durchführen. Hierbei wird abgeklärt, ob die Gebärmutter und die Eierstöcke gesund sind oder es einen bedenklichen Ausfluss gibt. Außerdem sollte während der Rosse eine sogenannte Tupferprobe genommen werden, um dadurch potenziell gesundheitsschädliche Bakterien oder Pilze auszuschließen, welche die Besamung gefährden können. Nur bei einer negativen Tupferprobe, kann deine Stute besamt werden.

Ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen ist für viele Pferdebesitzer ein großer Traum und sollte das Tier nicht mehr reitbar sein, ist das für einige der perfekte Anlass, den Vierbeiner decken zu lassen. Bedenke jedoch, dass das Ziel der Zucht sein sollte, gesunde und „haltbare“ Pferde zu züchten. Die Tiere sollen über mehrere Jahre hinweg belastbar sein und gegebenenfalls sogar höheren Anforderungen im Sport ausgesetzt werden können. Daher solltest du nicht mit einer Stute weiter züchten, welche selbst gesundheitliche Probleme hat und diese gegebenenfalls vererben könnte.

Prinzipiell wird in der deutschen Pferdezucht, im Gegensatz zu der holländischen zum Beispiel, nicht auf Seiten der Stute selektiert. Daher kannst du grundsätzlich mit jeder Stute züchten, aber lasse dabei den gesunden Menschenverstand walten, ob es auch eine gute Idee ist. Natürlich kommt es darauf an, warum deine Stute nicht mehr reitbar ist.

Fohlen mit Mutter auf der Wiese

Hatte sie zum Beispiel einen Unfall, aus dem einen Verletzung resultierte, die zwar gut verheilt ist, aber keiner sportlichen Belastung mehr standhält, steht einem Einsatz in der Zucht hinsichtlich dieses Aspektes nichts entgegen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie körperlich dazu in der Lage ist und keine Schmerzen verspürt, vor allem, wenn durch das Fohlen zusätzliches Gewicht hinzukommt.

Chronische Probleme hingegen oder auch Sehnenschäden können unter Umständen vererbbar sein. Das kann schon mehrere Generationen zurück liegen und bei deinem Fohlen zum Vorschein kommen. Schaue dir daher auch immer die „Verwandtschaft“ beider Elterntiere an.

Früher wurde nur mit Stuten gezüchtet, die sich als starke und belastbare Arbeitstiere erwiesen haben. Heutzutage ist es oft üblich, aus Liebhaberei mit seiner eigenen Stute züchten zu wollen. Sei dir jedoch bewusst, dass auch Eigenschaften, die den Charakter oder die Rittigkeit betreffen, vererbt werden können.

Bist du im Besitz eines Tieres, welches zum Beispiel sehr schwierig unter dem Sattel oder kompliziert im Umgang ist, solltest du zwei Mal darüber nachdenken, ob du diese Eigenarten bei deinem Fohlen wiederfinden möchtest. Die fehlende Selektion bei den Zuchtstuten wird häufig in der deutschen Pferdezucht kritisiert und die Zucht aus Liebhaberei von vielen als Rückschritt angesehen.

Natürlich sind deine Ansprüche wahrscheinlich eher nicht, den nächsten Olympia-Sieger zu produzieren, aber trotzdem solltest du langfristig denken und ein reitbares, gesundes Pferd züchten wollen.

Die Kosten für ein selbst gezogenes Fohlen

Fohlen auf der Wiese

Bevor du mit dem Züchten beginnst, solltest du dir über die finanziellen Verpflichtungen im Klaren sein. Bis dein Fohlen sicher auf vier Beinen steht und du das erste Mal auf dessen Rücken sitzen kannst, kommen einige Kosten auf dich zu. Die Decktaxe kommt dir hierbei wahrscheinlich als erstes in den Sinn.

Schau dir die unterschiedlichen Bedingungen der Bezahlung an, die von Hengst zu Hengst verschieden sein können. Ein beliebtes Modell ist, einen gewissen Anteil der Decktaxe vorab zu bezahlen und den Rest bei Trächtigkeit oder bei der Geburt des Fohlens. Dadurch wird das finanzielle Risiko für die Züchter verringert und sie werden dazu angeregt, teurere Hengste zu wählen. Die genaue Verteilung der Decktaxe kann durchaus auch verhandelt werden.

Allerdings ist die Decktaxe am Ende, im Vergleich zu allen weiteren Ausgaben, eher einer der günstigen Posten. Zuchtverband, Tierarztkosten während und nach der Trächtigkeit, eventueller Aufenthalt Hengststation, Aufzucht, Ausrüstung und möglicher Beritt, häufen sich dann doch zu einer stolzen Summe an. Studien zufolge hast du circa um die 15.000 Euro ausgegeben, bis du dein selbst gezogenes Pferd reiten kannst. Für diese Summe kann man sich das ein oder andere gute 3-jährige Pferd leisten.

Doch nicht nur monetäre Kosten kommen auf dich zu. Bedenke die Zeit, die du aufwenden musst, um dich um Stute und Fohlen zu kümmern. Nicht zu vergessen die Nerven, die dich das kleine Lebewesen mit Sicherheit kosten wird. Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht sind mit vielen Unsicherheiten verbunden, welchen du gewachsen sein solltest.

Fohlen mit Mutter auf der Wiese

Außerdem musst du vorher sicherstellen, dass du einen geeigneten Platz für die Aufzucht hast, denn nach dem Absetzen sollte das Tier optimalerweise bis mindestens zu Beginn der Ausbildung im Herdenverband aufwachsen. Gibst du deiner Stute eine Sportpause für die Zucht, denke daran, dass du eine längere Zeit nicht reiten kannst. Ebenso darfst du das Aufbautraining danach nicht vergessen, solltest du deine Stute wieder reiten und im Sport vorstellen wollen.

Welcher Deckhengst ist der richtige?

Wie du dir mit Sicherheit vorstellen kannst, ist die Frage nach dem passenden Deckhengst für deine Stute nicht pauschal zu beantworten. Zuallererst solltest du dir im Klaren darüber sein, was deine Erwartungen an die Nachzucht sind. Möchtest du einmal Hindernisse überwinden, im Dressurviereck glänzen oder vielleicht einen Allrounder mit starken Nerven dein Eigen nennen? Achte hierbei auch auf die Veranlagungen deiner Stute.

Bei einer Stute mit sehr begrenzten Grundgangarten, solltest du bei einer Anpaarung mit einem Dressurhengst kein Bewegungswunder erwarten und gleiches gilt natürlich umgekehrt bezüglich Springveranlagung. Wählst du einen Hengst mit vergleichbaren Eigenschaften deiner Stute, sind die Chancen wesentlich höher, dass auch das Fohlen diese aufweist.

Frau mit Fohlen auf der Wiese

In gewissem Maße können auch „Schwächen“ deiner Stute ausgeglichen werden. Hast du beispielsweise eine sehr nervöse Stute, setze auf einen nervenstarken Hengst. Wünschst du dir ein Fohlen mit einem leichteren Körperbau als die Mutterstute, solltest du keinen schweren Hengst  aussuchen. Der Hengst kann jedoch auch nur 50 % seines Erbgutes weitergeben. Als Zucht-Neuling ist es daher ratsam, auf einen altbewährten Hengst zu setzen, denn so kannst du dir dessen Nachkommen ansehen.

Nicht nur der sportliche Aspekt ist hier wichtig, sondern auch Charakter, Rittigkeit und vorangegangene Krankheiten. Es gibt außerdem Hengste, die eine Doppelveranlagung vererben, solltest du zukünftig sowohl im Spring- als auch Dressursattel eine gute Figur machen wollen.

Bei einem Junghengst, ohne eigene Nachzucht bzw. ohne Nachkommen, welche bereits im Sport vorgestellt wurden, ist es schwierig abzuschätzen, welche Eigenschaften vererbt werden. Nicht selten kommt es vor, dass ein Hengst selbst erfolgreich ist oder überdurchschnittliche Veranlagungen vorweist, diese aber nicht an seine Kinder weitergibt.

Außerdem musst du unbedingt darauf achten, ob der Hengst auch für das Zuchtgebiet (Hannoveraner, Oldenburger etc.) zugelassen ist, in welchem deine Stute eingetragen ist. Hierbei kann es sein, dass der Hengst nicht derselben Rasse entspricht, aber die Kriterien erfüllt, welche das Zuchtgebiet deiner Stute vorschreiben. Voraussetzung ist, dass deine Stute auch in einem Stutbuch eingetragen ist. Das solltest du vorher abklären und dann gegebenenfalls deine Stute zur Stutbucheintragung anmelden. Alle Informationen darüber findest du bei den entsprechenden Zuchtverbänden.

Künstliche Besamung oder Natursprung zum Decken der Stute?

Ein weiteres Entscheidungskriterium bei der Wahl des Vaters deines Fohlens, ist die Art der Verfügbarkeit des Spermas. In der heutigen Warmblutzucht - im Gegensatz zur Vollblutzucht - wird vorwiegend die künstliche Befruchtung gewählt. Dies hat zum einen logistische Gründe, da so Mutter- und Vatertier nicht zusammengebracht werden müssen. Eine Box mit Frischsamen oder Tiefgefriersperma (TG) ist schnell und einfach verschickt, ohne dass die Stute zur Hengststation transportiert werden muss. Zum anderen spielt aber auch das Gesundheitsrisiko eine große Rolle, denn kurz vor dem Deckakt steht ein Hengst unter starkem hormonellen Einfluss. Der Aufsprung birgt viele potenzielle Verletzungsrisiken für die Stute, aber auch der Hengst kann abrutschen und ungeschickt auf den Beinen landen.

Fohlen und Mutterstute auf der Wiese

Bakterien und Krankheiten können durch den Geschlechtsakt übertragen werden, weshalb eine gründliche tierärztliche Untersuchung davor umso wichtiger ist. Dennoch bieten manche Deckstationen noch Hengste im Natursprung an. Das kann unter Umständen sogar günstiger sein, da die Tierarztkosten für die künstliche Besamung gespart werden, wenn man bereit ist, die damit verbunden Risiken einzugehen.

Manche Züchter nutzen den Natursprung auch als letzte Möglichkeit, die Stute erfolgreich decken zu lassen, wenn es wiederholt über die künstliche Befruchtung nicht funktioniert hat.

Fohlen liegt auf der Wiese

Von Hengsten, die im Hochleistungssport gehen, ist häufig nur Tiefgefriersperma (TG-Sperma) zu bekommen. Hierbei wird vor der Turniersaison ausreichend Sperma gewonnen und eingefroren, um den Züchtern zu jeder Zeit eine Verfügbarkeit des Hengstes zu garantieren. So kommt es nicht selten vor, dass selbst verstorbene Hengste noch über TG verfügbar sind.

Im Vergleich zu Frischsamen muss die Qualität der Spermien sehr gut und das Management zum Decken perfekt abgestimmt sein. Essenziell für den Erfolg der Befruchtung mit dem tiefgefrorenen Sperma ist die zeitlich nah an der Ovulation (Eisprung) stattfindende Besamung. Dies kann nur garantiert werden, wenn in engen Zeitintervallen von ca. 4-6 Stunden eine Follikelkontrolle durch den Tierarzt stattfindet. Für dieses Unterfangen solltest du einen Tierarzt wählen, der sich auf die Besamung mit TG-Sperma spezialisiert hat.

Für Stuten mit einer eher schlechten Grundfruchtbarkeit ist die Wahl von Frischsamen wahrscheinlich die bessere. Allerdings musst du beachten, dass es unter Umständen passieren kann, dass zum Zeitpunkt der Trächtigkeit deiner Stute, kein Sperma zur Verfügung steht, da der Hengst zum Beispiel auf Turnieren ist. Viele erfahrenen Züchter raten auch bei Erstlingsstuten, also Stuten, die ihr erstes Fohlen bekommen sollen, zu einer Besamung mit Frischsamen.

Die Wahl der richtigen Hengststation

Der richtige Deckhengst allein verspricht noch keinen Zucht-Erfolg. Setze dich ebenso mit der Hengst- beziehungsweise Deckstation auseinander, auf welcher der zukünftige Fohlenvater beheimatet ist. Für den Fall, dass du das Management rund um die Bedeckung deiner Stute nicht selbst in die Hand nehmen kannst oder möchtest, bieten viele Deckstationen den Service an, dies für dich zu übernehmen.

Hierfür bringst du deine Stute bis zur erfolgreichen Trächtigkeit direkt dorthin. Von Vorteil ist, wenn die Station nicht so weit von dir entfernt ist. Natürlich ist die Inanspruchnahme dieses Service meist mit höheren Kosten verbunden, allerdings sind dann auch Profis am Werk und eventuell weniger Versuche bis zum Erfolg notwendig.

Die Samen müssen nicht verschickt werden und sind direkt verfügbar, Tierärzte sind häufig viel schneller und öfter vor Ort, die Fruchtbarkeit deiner Stute kann besser verfolgt und somit die Besamung perfekt abgestimmt werden. Vor allem für jemanden mit noch nicht so viel Erfahrungen in der Zucht, ist dies auf jeden Fall eine Möglichkeit mit guten Erfolgsaussichten.

Fohlen

Des Weiteren solltest du dich bei der Hengststation wohlfühlen. Damit ist gemeint, dass du dich gut aufgehoben fühlst und deine Belange ernst genommen werden. Auch wenn große namhafte Hengsthalter und Gestüte besonders Eindruck machen, kannst du als Hobbyzüchter oftmals bei den kleineren Hengststationen mit familiärer Atmosphäre besser aufgehoben sein.

Die Zuchtberater können dir bei der Auswahl des Hengstes sehr hilfreich sein. Durch jahrelange Erfahrung und das Wissen über die eigenen Hengste solltest du dir ihre Meinung sehr genau anhören. Mit ihrer Passion für die Pferdezucht versuchen sie dir in der Regel die bestmöglichen Alternativen vorzustellen und diese sollte nicht nur die Hengste mit der höchsten Decktaxe beinhalten. Die Hengststation sollte sich Zeit für dich nehmen und dir bei deinen Wünschen zuhören, denn schließlich geht es hierbei für dich um ein sehr wichtiges und auch emotionales Thema.

Letztendlich gleich die Zucht einem Lottospiel. Selbst bei der Kombination von zwei anscheinend perfekten Elterntieren, kann man nie wissen, ob das Fohlen auch ein Jackpot wird. Lass dich von Fachleuten beraten und versuche Emotionen aus dem Spiel zu lassen.

Auch wenn du gerne aus deiner eigenen Stute einen Nachkommen züchten möchtest, sollte das nur unter optimalen Voraussetzungen passieren. Dann steht schlussendlich der Freude über das kleine neue Lebewesen nichts mehr im Wege und das eigene Fohlen aufwachsen zu sehen, ist ein einmaliges Erlebnis.

Die wildesten Fohlen werden die besten Pferde.

– Deutsches Sprichwort

Inhalt //

    Die Autoren

    Ich bin 29 Jahre alt und liebe es, für euch Beiträge zu schreiben. Vor über 20 Jahren habe ich meine Liebe zu den Pferden entdeckt und diese sogar durch mein Studium Pferdewirtschaft zu meinem Beruf gemacht. Gerade reise ich durch Australien und versuche noch mehr verschiedene und internationale Eindrücke in die Pferdewelt zu bekommen.
    Solltet ihr Wünsche zu bestimmten Themen haben - immer her damit. 🙂

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