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Wie ist die artgerechte Versorgung meines Pferdes während der Corona-Krise gesichert?

21. März 2020 // Lena Junker

Es sind außerordentlich schwierige Zeiten momentan und eine Besserung ist noch lange nicht in Sicht. Wie ein schlechter Film kommt einem die momentane Situation vor, doch leider ist das Risiko real und wir alle müssen dazu beitragen, dass die Verbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) und die daraus resultierende Krankheit CoViD-19 so gut wie nur möglich eingedämmt wird.

Die FN und Mitgliedsverbände setzen sich auf politischer Ebene ein, damit eine artgerechte Versorgung, unter der Beachtung krankheitseindämmender Maßnahmen, auch während der Krise sichergestellt ist. Natürlich denkt man als Pferdebesitzer erst einmal an das Wohlergehen seines Tieres, jedoch haben wir alle eine gesellschaftliche Verantwortung.

Damit beides miteinander vereinbar ist, wurden strenge Vorgaben aufgestellt, damit die notwendige Versorgung und Bewegung der Pferde sichergestellt sind. Diese Vorgaben sind noch nicht deutschlandweit einheitlich, aber mit Nachdruck wirbt die FN mit den Mitgliedsverbänden bei den Landesministerien, dass neben Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt alle Bundesländer Vorgaben im Sinne des Pferdesports erlassen.

Mit dem folgenden Artikel wollen wir euch die derzeitige Unsicherheit ein bisschen nehmen und euch den aktuellen Stand mitteilen. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

stayhome-corona

Unter www.pferd-aktuell.de/coronavirus findet ihr jederzeit alle wichtigen und neuen Informationen von der FN. Außerdem werden mehrere Dokumente zum Download zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel Notbewegungspläne, Pferdeversorgungspläne, Anwesenheitslisten und das “Notversorger”-Formular.

Können Tiere an CoViD-19 erkranken?

Es kursieren viele Gerüchte und Halbwahrheiten darüber, ob unsere Haustiere an CoViD-19, ausgelöst durch SARS-CoV-2, erkranken können. Dies lässt sich aber, Stand heute, mit einem klaren Nein beantworten. Verwirrungen kamen mitunter dadurch zustande, da Hunde und Katzen schon seit Jahren Magendarm- und Atemwegserkrankungen erleiden, welche durch Coronaviren ausgelöst werden. Jedoch unterscheiden sich diese deutlich von dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2.

Die Viren können aber durchaus indirekt übertragen werden, da der Virus auf Gegenständen, je nach äußeren Umständen, eine gewisse Zeit überleben kann. Meidet daher den Kontakt zu anderen Pferden oder Tieren und achtet darauf, dass euer Pferd von möglichst nur einer Person versorgt wird. Geht nicht unnötig in den Stall und nehmt die Lage ernst.

Wie versorge ich mein Pferd während Corona?

Für uns alle gelten besondere Regeln, wie wir uns in den Pferdeställen zu verhalten haben. Reitanlagen gelten ebenso als Sportstätten beziehungsweise Freizeiteinrichtungen, was bedeutet, dass Zusammenkünfte zu verbieten sind. Jedoch muss folgendes im Sinne des Tierschutzes sichergestellt sein: artgerechte Fütterung, Boxenpflege, tägliche Tierkontrolle, kontrollierte (Reiten, Longieren) und freie Bewegung (Weide, Paddock), notwendige Versorgung durch Tierarzt oder Hufschmied.

Dies muss jedoch unter strenger Berücksichtigung wichtiger Hygiene-Regeln geschehen, um deren Umsetzung sich eine verantwortliche Person kümmern muss. Das kann zum Beispiel der Betriebsleiter, Reitlehrer oder Vorstand eines Vereines sein.

Selbstverständlich sollte sein, dass Menschen, die Symptome einer Erkrankung aufweisen, in Risikogebieten waren oder Kontakt zu bestätigten Fällen hatten und sich unter Quarantäne befinden, unter keinen Umständen in den Stall kommen dürfen. Für diese Fälle muss eine Vertretung organisiert werden. Nur eine Person ist pro Pferd zulässig und das für maximal zwei Stunden.

Ein Anwesenheitsplan für die zur Versorgung und Bewegung der Pferde notwendigen Personen ist zu erstellen, um die Anzahl der Menschen zu reduzieren, die sich zeitgleich auf der Anlage befinden. Es gibt so viele WhatsApp-Gruppen – wieso nicht auch jetzt eine erstellen, um die Anwesenheit auf der Reitanlage zu organisieren? Diese Zeiten verlangen von jedem Einzelnen mehr Flexibilität und unbürokratisches Handeln.

Bei mehreren Mitarbeitern ist ein Schichtplan empfehlenswert. Anderen Menschen ist der Zutritt zu den Stallungen oder Anlagen untersagt. Eine gründliche Handhygiene, vor allem bei Ankunft auf der Anlage und vor dem Benutzen des Putzzeugs sowie nach der Pferdeversorgung hat oberste Priorität.

Haltet die räumlichen Abstände zu anderen Menschen so groß wie möglich und achtet jederzeit auf die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5-2 m zu den Stallkollegen. Aufenthalts- und Sozialräume wie Reiterstübchen oder Umkleidekabinen müssen geschlossen bleiben. Vermeidet auch sonst nicht notwendigen, sozialen Kontakt.

Ebenso muss auch die Anzahl der Pferde in der Reitbahn möglichst geringgehalten werden. Der Richtwert beläuft sich auf ca. 200 m² pro Pferd. Das bedeutet, dass in einer 20 x 40 m Reitbahn vier Pferde zugelassen sind. Tierarzt und Hufschmied sollten nur in wirklich notwendigen Fällen gerufen werden und die verantwortliche Person muss die Koordination der Termine übernehmen.

Corona-Hygiene

Im Falle einer Ausgangssperre rät dir die FN auf dem Weg vom und zum Pferdestall, stets eine Selbsterklärung sowie einen Ausdruck der FN-Petition bei dir zu haben. In die Selbsterklärung schreibst du, dass du allein aus dem Grund unterwegs bist, die notwendige Versorgung und Bewegung eines oder mehrerer Pferde sicherzustellen. Hierzu steht ein Muster-Formular auf der FN Homepage zur Verfügung. Trage dieses Formular immer in Verbindung mit dem Personalausweis und einer Kopie des Pferdepasses mit dir.

Lasst bitte immer Vernunft und euren gesunden Menschenverstand walten. Auch wenn euch das soziale Miteinander im Stall immer sehr wichtig ist, tut bitte alles dafür, dies vorerst zu unterlassen, sodass wir alle bald wieder genau das unbeschwert genießen können.

Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.

– Angela Merkel.

Reitschulen und Reitunterricht

Die Durchführung von Reitunterricht ist vorerst nicht möglich. Jedoch muss die Bewegung der Schulpferde durch einen Notfallbewegungsplan sichergestellt werden.

Bewegt werden können die Pferde von sogenannten “Notbewegungshelfern”, welche zum Beispiel der Reitlehrer selbst, ausgewählte Reitschüler oder weitere Vereinsmitglieder sein können. Aber immer nur eine bestimmte Person pro Pferd. Hier gelten ebenso strikte hygienische Maßnahmen sowie regionale und bundesweite behördliche Vorgaben.

Notfallbewegungsplan Pferd Corona

Zusätzlich zu den oben genannten Punkten, die selbstverständlich auch bei Schulpferden gelten, gibt es noch weiteres zu beachten. Die verantwortliche Person (Betriebsleiter, Vorstandsmitglied oder Reitlehrer) übernimmt die nachweisliche fachkompetente Zuweisung der einzelnen Pferde zu den Reitern und muss diese auch dokumentieren.

Diese, auf freiwilliger Basis agierende, “Notbewegungshelfer“ müssen in der Lage sein das Pferd eigenständig vorzubereiten, zu reiten oder anderweitig zu bewegen und danach zu versorgen, so dass vermieden wird, dass mehrere Menschen sich um ein Tier kümmern oder der Kontakt zu nahe ist.

Achtet darauf, dass das Bewegen der Pferde immer unter fachkundiger Aufsicht geschieht, sodass die Sicherheit für Mensch und Tier gewährleistet wird. Dies hat auch versicherungstechnische Hintergründe. Ihr solltet außerdem für jedes Pferd eigenes Putzzeug und Sattelzeug benutzen und separat lagern, um jegliche Übertragungsmöglichkeiten zu minimieren

Veranstaltungen im Pferdesport

Nahezu alle Pferdesportveranstaltungen sind mittlerweile abgesagt worden. Das betrifft zum Teil sogar Turniere die noch Monate entfernt sind. Auch wenn bestimmt jeder Turnierreiter aufgrund der Zwangspause eine Träne verdrücken musste, ist die Entscheidung der Veranstalter, zum Wohle aller Menschen, durchaus zu verstehen.

Hinter den meisten Events stehen monatelange Organisation und viele Arbeitsstunden. Bei dieser unsicheren Lage, möchte und kann sich das Risiko einer schnellen Verbreitung durch die Veranstaltung niemand leisten. Der Veranstalter kann jedoch laut LPO den Nennschluss sogar fünf Tage vor den Turnierbeginn legen und hat so die Möglichkeit recht spontan zu entscheiden, ob es möglich ist, das Turnier durchzuführen. Bei einer Absage erhebt die FN keine Veranstaltergebühr.

Auch als Teilnehmer musst du nichts bezahlen, sollte das Turnier vor Nennschluss abgesagt worden sein. Etwas anders sieht es bei einer kurzfristigen Absage aus. Laut FN (Stand 20.03.2020) bekommst du einen Großteil des Nenngeldes zurück, jedoch wird die Absage aufgrund des Coronavirus in der Regel als “höhere Gewalt” eingestuft.

Sollte dies der Fall sein, kann der Veranstalter 3 € je reserviertem Startplatz (10 € bei Vielseitigkeitsprüfungen) einbehalten. Auch bleiben die 0,85 € FN-Nenngebühr bei der FN. Ob die LK-Gebühren an den Veranstalter zurückerstattet werden, hängt vom jeweiligen Landesverband ab.

Auch wenn es gerade eine nervenaufreibende Situation für uns Pferdemenschen ist, die nur das Beste für ihre Tiere wollen, sitzen wir doch alle im selben Boot und sollten alle an einem Strang ziehen. Falscher Ehrgeiz ist unangebracht und oberste Priorität sollte die notwendige Versorgung der Tiere haben. Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), hat einen offenen Brief zur Corona-Krise verfasst und sich hierbei an alle Reiter und Züchter gewandt.

Wir hoffen, dass es dir gut geht, und wünschen dir nur das Allerbeste in dieser Zeit. Solltest du etwas für dich oder dein Pferd brauchen, sind wir mit gewohnter Verlässlichkeit und schnellem Service so gut es geht für dich da! Bleib gesund und achte auf deinen Vierbeiner!

Inhalt //

    Die Autoren

    Ich bin 29 Jahre alt und liebe es, für euch Beiträge zu schreiben. Vor über 20 Jahren habe ich meine Liebe zu den Pferden entdeckt und diese sogar durch mein Studium Pferdewirtschaft zu meinem Beruf gemacht. Gerade reise ich durch Australien und versuche noch mehr verschiedene und internationale Eindrücke in die Pferdewelt zu bekommen.
    Solltet ihr Wünsche zu bestimmten Themen haben - immer her damit. 🙂

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