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Haltung 15.03.2021

Aktivstall für Pferde: Ist das artgerechte Pferdehaltung?

Die Suche nach dem idealen Pferdestall gleicht der bekannten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Eine Pferdehaltung mit viel Auslauf, bei dem es dem Pferd gut geht und es am besten noch mit Artgenossen zusammen das saftige Gras genießen kann, ist für viele Pferdebesitzer die Traumvorstellung. Offenstallhaltung kommt vielen nun in den Sinn, bei welcher jedoch häufig die Schwierigkeit besteht, individuell auf das einzelne Pferd einzugehen. Daher wurde das Offenstallkonzept weiterentwickelt und mit technischen Aspekten versehen, bis ein Modell entwickelt wurde, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut – der Aktivstall für Pferde. Um was es sich hierbei genau handelt und was die Pferdehaltung in dem speziellen Bewegungsstall bedeutet, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Von Ständerhaltung zum Aktivstall

Die Pferdehaltung hat sich in den letzten Jahren wirklich sehr stark verändert – zum Vorteil der Pferde. Ständerhaltung, bei welcher die Pferde angebunden in kleinen Abteilen stehen, war vor allem früher bei den Arbeitstieren, die auf den Feldern arbeiteten, gang und gäbe. Die schwer schuftenden Pferde waren den ganzen Tag auf den Beinen und abends so müde, dass sie sich nicht mehr sehr viel bewegten, was in den Ständern auch gar nicht möglich war. Allerdings wurden die Pferde immer mehr von Maschinen abgelöst und mehr als Reittiere zur Vergnügung genutzt, die Haltung aber erst einmal so weitergeführt. Unvorstellbar aber sogar erst im Jahre 2014 wurde Ständerhaltung in den meisten deutschen Bundesländern verboten. Eine Pferdehaltung, bei welcher der Vierbeiner in keiner Weise seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben kann, sich nicht einmal umdrehen kann.

Pferdebox-mit-Fenster

Bei der Boxenhaltung kann sich das Pferd nicht unbedingt sehr viel mehr bewegen, aber wenigstens ist das gemütliche Hinlegen, Beschnuppern des Boxennachbars und das Drehen möglich. Laut Leitlinien muss die Größe der Pferdebox mindestens (2 x Widerristhöhe)² betragen. Bei einem Pferd mit einem Stockmaß von 1,70m entspricht das mindestens (2 x 1,70m) ² = 3,4m x 3,4 m = 11,56 m². Der Sozialkontakt zwischen den Pferden ist sehr wichtig, weswegen in Boxenhaltung die Trennwende so konzipiert sein müssen, dass wenigstens der Sicht-, Hör- und Geruchskontakt möglich ist.

Das gelingt besonders gut bei Paddockboxenhaltung, bei der sich die Boxennachbarn auf dem Paddock über die Umzäunung hinweg beschnuppern und beknabbern können. Die Vierbeiner können selbst zwischen Paddock und Box wählen und so in Ruhe fressen, um sich dann wieder die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Außerdem können die Tiere auch mehr am Hof-Geschehen teilhaben und so Langeweile besser vorbeugen.

Paddockboxenhaltung

Trotz des Paddocks ist auch hier die Bewegungsfreiheit der Tiere begrenzt. Pferde sind Lauftiere, die es gewohnt sind, bis zu 16 Stunden am Tag, sich auf Futtersuche fortzubewegen. Daher ist es ein absolutes Muss, dass du deinem Pferd bei Boxenhaltung mehrere Stunden Bewegung ermöglichst, die außerdem über den Tag verteilt ist. Dies bedeutet allerdings nicht nur das tägliche Training, sondern unbedingt auch die freie Bewegungsmöglichkeit, wie ein Koppelgang. Dies ist sogar in den „Leitlinien zur Beurteilung der Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten“, verfasst vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, festgelegt.

Für viele Pferdebesitzer ist es schwierig dem Tier genug Bewegung zu ermöglichen, sei es aufgrund des Berufes, Familie, fehlende Möglichkeiten auf dem Pferdebetrieb und vielem mehr. Daher fällt für manche die Entscheidung auf einen Offenstall. So kann sich das Pferd 24 Stunden frei bewegen und du musst dir keine Sorgen darüber machen, wenn du mal wieder spät aus dem Büro kommst und keine Zeit mehr für deinen Liebling hast. Gerade für Jungpferde empfiehlt sich diese Haltung, da so die Muskeln und Sehnen gestärkt werden und auch viele Rentnerpferde fühlen sich in Offenställen wohl.

Nachteil bei Offenstallhaltung ist jedoch, dass sich die individuelle Fütterung als sehr schwierig gestaltet. Meistens wird Heu ad libitum gefüttert, was bedeutet, dass den Pferden 24 Stunden Heu zur Verfügung steht und auch der Zugang zur Koppel ist häufig den ganzen Tag möglich. Hinzukommt, dass die Pferde nicht weite Strecken zurücklegen müssen, um Futter oder Wasser zu finden.

Offenstallhaltung-Pferd

Auf die Vorteile der Offenstallhaltung wollen viele Pferdebesitzer für ihre Lieblinge nicht verzichten, das hat die Firma Hit erkannt und Aktivstall Konzepte entworfen, welche die Pferde zur Bewegung anregt. Außerdem ist beim Hit-Aktivstall eine individuelle Fütterung ermöglicht und den so wichtigen Sozialkontakt zu Artgenossen beinhaltet. Mittlerweile gibt es auch Futterautomaten von anderen Firmen oder der ein oder andere begabte Stallbesitzer, entwickelte eine eigene Konstruktion.

Was ist ein Aktivstall?

Der Aktivstall ist ein Offenstall Konzept, der in verschiedene Funktionsbereiche aufgeteilt ist. So haben die Pferde ihre Liegehalle mit Stroh, einen Sandplatz zum Wälzen, Wasserstelle, Rau- und Kraftfutterautomat sowie meistens eine große Koppel. Um zu den unterschiedlichen Bereichen zu gelangen, müssen die Pferde immer eine gute Strecke zurücklegen. Dieses Konzept kommt der Haltung in freier Wildbahn recht nahe: Fressen, hin und her wandern und schlafen.

Der größte Vorteil im Gegensatz zu normaler Offenstallhaltung ist, dass du dein Pferd so füttern kannst, wie du möchtest. Das ist durch die verschiedenen Futterautomaten für Heu und Kraftfutter möglich.

Aktivstall-Computerchip

Die Pferde haben einen Chip, der entweder am Halfter, Halsring oder in der Mähne vernäht ist. Dieser Chip lässt sich nun auf die Bedürfnisse der Pferde programmieren und beinhaltet die Informationen wieviel Futter und welches Futter die Tiere bekommen. Ebenso kann die Zeit eingestellt werden, wie lange die Vierbeiner Zugang zu den Raufutterapparaten haben. Besonders gut für den empfindlichen Pferdemagen ist, dass das tägliche Futter auf viele kleine Portionen verteilt ist und so Magen-Darm Problemen vorgebeugt werden kann. Durch die auf den Tag verteilten Portionen müssen die Pferde auch immer wieder zurückkommen und werden so wieder zur Bewegung angeregt.

Der Stallbesitzer kann nun die ganzen Bewegungen und Informationen am Computer überwachen und so zum Beispiel sehen, ob dein Pferd oft genug zu den Futterautomat geht, um sich die Portionen abzuholen, die vorgesehen sind.

Manche Aktivställe bieten zum Beispiel einen gesonderten Ruhebereich für ältere Pferde an, um den jüngeren, aufdringlichen Pferden aus dem Weg gehen zu können. Mithilfe des Chips wird so eine Schranke geöffnet, die nicht vorgesehene Pferde abhält, in diesen Bereich zu gelangen. Mit der Weide gibt es teilweise ähnliche Konzepte oder bestimmte Zeiten, zu denen alle Pferde auf der Weide verbringen und dann wieder in den Aktivstall Bereich gebracht werden.

Aktivstall-Schneise

Vor- und Nachteile Aktivstall

In Sachen artgerechte Haltung liegt der Aktivstall auf jeden Fall weit vorne. Durch die naturnahe Haltungsform kommen Verhaltungsstörungen so gut wie nicht vor. Die Pferde sind zufrieden und ausgeglichen, was auch durch den ständigen Kontakt mit Artgenossen zuzuschreiben ist. Was genau artgerechte Pferdehaltung bedeutet, kannst du in dem entsprechenden Blogbeitrag nachlesen.

Solltest du es mal nicht zu deinem Pferd schaffen, weißt du genau, dass es sich über den Tag hinweg auch allein gut bewegt hat. Die Futter Verteilung über den ganzen Tag hinweg, ist perfekt für den Pferdemagen und beugt Koliken, Magengeschwüren und anderen Magen-Darm Problemen vor. Der Stress während der Fütterungszeit wird vermieden und auch wenn der Nachbar die Box verlässt.

Da die Pferde nicht in einem Stall gehalten werden, in dem sie häufig Staub und muffiger Luft ausgesetzt sind, kommen auch Lungenprobleme so gut wie nicht vor.

Aktivstall-Futterstation

Natürlich muss aber auch mit der Aktivstallhaltung der ein oder andere Kompromiss eingegangen werden, weswegen es nicht für jeden Pferdebesitzer geeignet ist.

Erst einmal muss man sagen, dass die Pferde Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die Tiere können sich zwar bei Regen in die geschützten Bereiche zurückziehen, allerdings zeigt Erfahrung, dass sie sich im nassen Wetter recht wohl fühlen. Kommst du nun zum Reiten, kann es sein, dass du dein Pferd erst trocknen und sauber bürsten musst, bevor du den Sattel auflegen kannst. Natürlich kannst du dem mit den geeigneten Pferdedecken vorbeugen, jedoch muss mit dem Stallbetreiber abgesprochen werden, ob dieser die Decken bei Bedarf wechselt oder ganz abnimmt, sollte es zu warm werden. Diese Dinge sind natürlich zu managen, aber mit mehr Zeit verbunden, weswegen Reiter mit wenig Zeit oder Berufsreiter diese Art der Haltung nicht immer bevorzugen.

Ebenso ist es wie bei jedem Pensionsbetrieb nicht vermeidbar, dass Tiere den Stall verlassen oder neue Tiere in die Gruppe integriert werden. Das kann vor allem bei großen Herden zu Unruhe und Stress führen, daher ist ein kleiner Aktivstall mit weniger Pferden meistens idealer. Idealerweise sollte die Gruppe nicht größer als 25 Pferde sein, denn dies entspricht auch einer Herde in freier Wildbahn.  

Aktivstall-Sanplatz

Manche Stallbetreiber haben auch als Vorgabe, dass die Tiere im Herdenverbund keine Hufeisen auf den Hinterhufen haben dürfen. Dies soll das Verletzungsrisiko durch Tritte minimieren, bedeutet aber für viele Sportreiter das Aus für den Aktivstall. Generell kann es zwischen Artgenossen zu Rangordnungskämpfen kommen, die zu mehr oder weniger schlimmen Verletzungen führen. Das legt sich aber in der Regel nach ein paar Wochen wieder.

Viele Turnierreiter denken, dass die Pferde in Offenstallhaltung nicht „spritzig“ genug sind auf dem Turnier. Allerdings ist dies nur in den ersten Wochen der Fall, da die Tiere nicht gewohnt sind, sich den ganzen Tag zu bewegen. Danach sind die Pferde meistens fitter und besser bemuskelt als ihre Artgenossen in Boxenhaltung. Vor allem der Ausdauer der Vielseitigkeitspferde kommt diese Art der Haltung nur zugute.

Gibt es einen Aktivstall bei dir in der Nähe, schaue ihn der auf jeden Fall an und rede mit Pferdebesitzern vor Ort. Vielleicht kommt die Bewegungsstallhaltung auch für dich und deinen Liebling in Frage.

Eingewöhnungsphase Aktivstall Pferde

Vieles ist erst einmal sehr neu für deinen Vierbeiner, wenn es in einen Aktivstall geht. Die vielen neuen Freunde können vor allem für Pferde aus Boxenhaltung sehr überwältigend sein. Wird ein Neuankömmling in die Herde integriert, können bis zu drei Monate vergehen, bis sich die Unruhe komplett legt. Daher ist es auch wichtig, dass die Fluktuation im Aktivstall, aber auch in anderen Gruppenhaltungen, möglichst geringgehalten wird, aber das lässt sich natürlich nicht ganz vermeiden. Daher ist die richtige Eingewöhnung ausgesprochen wichtig.

Die meisten Aktivställe haben Boxen mit einem Paddock, in welche die neuen Tiere erst einmal gebracht werden können. Dort haben sie Sicht- und Schnupperkontakt zu den anderen Pferden, aber können sich auch gegeben falls zurückziehen, sollte ein Pferd zu aufdringlich werden.

Pferd-w-lzen

Der nächste Schritt handhaben viele Pferdebesitzer unterschiedlich. Manche stellen das neue Pferd zuerst mit einem sehr verträglichen Pferd aus der Herde zusammen oder auch mit dem ranghöchsten Tier, aber da kommt es auch immer individuell auf jeden Vierbeiner an. Die Zusammenführung klappt meist stressfreier auf einer großen Koppel mit viel Gras. Hier sind die Tiere von dem frischen Grün abgelenkt und interessieren sich meist nicht so sehr für den neuen Artgenossen.

Stelle sicher, dass genug Platz zum Ausweichen vorhanden ist und keine Engstellen oder Sackgassen, in der das zurückgedrängt werden könnte. Natürlich bist du besorgt um deinen Vierbeiner und das Verletzungsrisiko lässt sich leider nicht komplett vermeiden, aber meistens sehen die Kämpfe schlimmer aus, als sie sind.

Die Gewöhnung an die Futterautomaten kann je nach Tier auch eine ganze Weile gehen. Viel Geduld ist hier gefragt, wenn die Tiere die ersten Male in die doch etwas engen Futterständer gebracht werden. Allerdings haben die Pferde das System meistens recht schnell verstanden, denn eine bessere Belohnung als Futter gibt es ja kaum. Der Stallbesitzer kann nun überwachen, ob die neuen Tiere auch oft genug an die Futterautomaten gehen, oder vielleicht doch etwas nachgeholfen werden muss. 

Futterautomaten-Aktivstall

Aktivstall Kosten

Wichtigste Grundvoraussetzung, um einen Aktivstall für Pferde zu bauen, ist viel Platz. Die verschiedenen Funktionsbereiche liegen recht weit auseinander, damit die Pferde angeregt werden sich zu bewegen, aber auch um Konflikte in der Herde zu vermeiden. Somit ist es in einer Großstadt vermutlich eher schwierig einen Aktivstall zu bauen. Die Anschaffungskosten der Futterautomaten und der Computer Chips für die Pferde sind erst einmal recht hoch. Allerdings bauen handwerklich begabte Stallbesitzer mit Unterstützung vieles selbst, was die Kosten erheblich beeinflussen kann. Nach einiger Zeit kommen dann Wartungskosten hinzu, die aber auch in anderen Stallungen vorkommen können.

Aktivstall-automatische-T-r

Die Arbeitsintensität eines Aktivstalles ist nicht sehr viel geringer als bei Boxenhaltung. Zwar fällt das Füttern und das Ausmisten der Pferdeboxen weg, allerdings werden die Futterautomaten regelmäßig kontrolliert sowie befüllt. Die Liegehalle und auch die anderen Bereiche müssen abgeäppelt und sauber gehalten werden. Oftmals werden in der Liegehalle nur die Pferdeäpfel abgesammelt und in einem gewissen Abstand die komplette Einstreu gewechselt. Das kann jedoch meistens mit dem Traktor geschehen.

Die Kosten dein Pferd in einem Aktivstall unterzubringen hängen stark davon ab, wo sich der Stall befindet und wie gut die Anlage ausgestattet ist. Die Pensionspreise für einen Stall in Ballungsgebieten können da schon mal fast das Doppelte betragen als Ställe auf dem Land und für eine große Reithalle sowie gute Reitplätze, fallen meistens nochmal ein paar Euro mehr an. In der Regel lässt sich sagen, dass Aktivställe meistens genauso viel, oder sogar eher etwas weniger, als Boxenhaltung beziehungsweise Paddockboxenhaltung kosten.

Gibt es einen Aktivstall bei dir in der Nähe, schaue ihn der auf jeden Fall an und rede mit Pferdebesitzern vor Ort. Vielleicht kommt die Bewegungsstallhaltung auch für dich und deinen Liebling in Frage.

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Ich bin Lena, 29 Jahre alt und liebe es, für euch Beiträge zu schreiben.

Vor über 20 Jahren habe ich meine Liebe zu den Pferden entdeckt und diese sogar durch mein Studium Pferdewirtschaft zu meinem Beruf gemacht. Gerade reise ich durch Australien und versuche noch mehr verschiedene und internationale Eindrücke in die Pferdewelt zu bekommen.

Solltet ihr Wünsche zu bestimmten Themen haben - immer her damit. :) Viel Spaß beim Lesen!

- Lena Junker

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